Regenerative Zukünfte: KI ist kein Heilsbringer, sondern Handwerkszeug

Regenerative Zukünfte: KI ist kein Heilsbringer, sondern Handwerkszeug

Was passiert, wenn künstliche Intelligenz nicht als Selbstzweck dient, sondern als Baustein für „regenerative Zukünfte“? Ein neuer Sammelband aus dem Hause Springer greift genau diese Idee auf. Er verbindet Nachhaltigkeit nicht nur ökologisch und sozial, sondern auch ökonomisch – und betrachtet KI nicht als Heilsbringer, sondern als Werkzeug, das in verschiedensten Kontexten funktionieren muss.

Herausgegeben wird der dritte Band von Kai Gondlach, Birgit Brinkmann, Mark Brinkmann und Julia Plath. Die Reihe umfasst drei Teile (PLANET → PEOPLE → PROFIT) und vertritt die These: Ohne ökologisches Fundament haben weder soziale noch wirtschaftliche Strukturen Bestand.

Schon das Inhaltsverzeichnis zeigt die Bandbreite: praxisnahe Beiträge, konzeptionelle Texte und Zukunftserzählungen. Im PROFIT-Band folgen auf technologische und umsetzungsorientierte Kapitel Themen wie „Gemeinwohlökonomie: Wirtschaft neu denken“ von Alrun Vogt und Fritz Lietsch, „Cradle to Cradle“ von Michael Braungart oder „Fairchain“ von Kai Gondlach. Für mich besonders spannend: ein Kapitel mit „Konkreten Utopien regenerativer Zukünfte 2050“, das zugespitzte Zukunftsbilder als Denkwerkzeug nutzt. Benjamin Vogt, Dr. Dr. Christian Hugo Hoffmann, Stefanie Ollenburg, Marius Land, Gerhard Glatzel

Der Blick aufs Handwerk darf in diesem Band nicht fehlen: Robert Falkenstein fasst in einem Kapitel unsere Erkenntnisse aus der Handwerkskammer für Oberfranken und der Handwerkskammer Koblenz zusammen. Der Kern: Handwerk ist keine „Industrie in klein“, sondern folgt eigenen Dynamiken – und stellt andere Anforderungen an KI-Lösungen. Die Zahlen sprechen für sich: Während die Umsätze im Handwerk steigen, sinkt die Zahl der Lehrlinge. Gleichzeitig steht eine Nachfolgewelle bevor. Daraus ergibt sich eine klare Botschaft: „One-Size-Fits-All“ wird scheitern. Die Vielfalt der rund 130 Gewerke erfordert maßgeschneiderte Lösungen.

Der Band zeigt konkrete Beispiele, wie KI im Handwerk bereits wirkt: etwa ein „Semmeldetektor“ in Bäckereien, der Überproduktion durch Bilderkennung vermeidet, Chatbots für 24/7-Erreichbarkeit, Übersetzungs-Tools auf Baustellen oder Bildgeneratoren zur Visualisierung für Kundinnen und Kunden. Dabei geht es weniger um die Tools selbst als um ihren Nutzen im Betrieb. Das fußt auf den vielen Praxisbeispielen und Umsetzungen unserer Teams im Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk.

Das Handwerk steht in Zukunft gleich zwei großen Themen gegenüber. Der Erhaltung und Entwicklung des Echten (das dürfte durch KI an Bedeutung gewinnen) und zugleich der Nutzung und Mitentwicklung von KI-Lösungen. Beides Felder des Wachstums. Das macht doch richtig Lust auf Zukunft. Das Handwerk als Feld für Innovation und Zukunftsdesign.

Hier geht es zum Buch: 👉 https://lnkd.in/dqkQRg5b