Drei Digitaltipps aus dem Brillux Magazin: KI, VR und nachhaltige Tools fürs Handwerk

Drei Digitaltipps aus dem Brillux Magazin: KI, VR und nachhaltige Tools fürs Handwerk

Man kann Digitalisierung im Malerhandwerk wunderbar zerreden. Oder man kann sie an drei Momenten festmachen, die jede Kundin und jeder Kunde sofort versteht: 

AntwortenVorstellenVerbrauchen.

Antworten: Wie schnell bekomme ich eine belastbare Rückmeldung, ohne dreimal anzurufen? Vorstellen: Wie sicher bin ich, dass Farbe, Material und Gestaltung am Ende wirklich passen? Verbrauchen: Wie viel Material geht drauf, und wie viel landet unnötig im Müll?

Die drei Beiträge im Brillux-Magazin setzen genau dort an. Nicht als Technikschau, sondern als Praxislinse. KI in der Kundenakquise. Virtual Reality in Beratung, Ausbildung und Prozessen. Und digitale Tools, die Nachhaltigkeit nicht predigen, sondern rechnen.

1) KI in der Kundenakquise: Die schnellste Antwort gewinnt

Kundenakquise im Handwerk ist oft kein Marketingproblem. Es ist ein Kapazitätsproblem. Das Telefon klingelt, während auf der Baustelle Fragen offen sind. E-Mails stapeln sich, während Angebote geschrieben werden. Und ausgerechnet die ersten Minuten entscheiden, ob jemand Vertrauen fasst oder weiterklickt.

Hier setzt KI pragmatisch an: Chatbots können rund um die Uhr Anfragen entgegennehmen, Fragen beantworten und sogar personalisierte Angebote vorbereiten. Nicht, weil sie „menschlicher“ sind, sondern weil sie sofort reagieren. In der Logik des Kunden zählt das als Professionalität.

Dazu kommt die nächste Stufe: Avatare und digitale Showrooms. Der Effekt ist simpel: Wer sich orientieren kann, bleibt länger. Wer versteht, fragt gezielter. Wer gezielter fragt, wird schneller zum Auftrag.

Und dann sind da die Konfiguratoren: intelligente Programme, mit denen Kunden Wünsche konkret zusammenstellen können. Designoptionen testen. Varianten vergleichen. Und im Idealfall direkt sehen, wie eine Lösung an den eigenen Wänden wirken würde. Das ist keine Spielerei. Das ist Vorqualifizierung. Und Vorqualifizierung spart Zeit auf beiden Seiten.

Der Kern: KI ist hier nicht „Kunst“. Sie ist ein Servicekanal, der das Büro entlastet und die Reaktionszeit drückt.

2) Virtual Reality: Beratung wird begehbar, Training wird sicherer

Es gibt Entscheidungen, die fallen nicht am Küchentisch, sondern im Kopfkino. „Wie wirkt das im Raum?“ „Wird das zu dunkel?“ „Passt das zu Boden und Licht?“ In vielen Gewerken ist Beratung deshalb oft ein Mix aus Erfahrung, Musterkarten und Worten. Funktioniert meistens. Aber nicht immer.

Virtual Reality dreht diese Reihenfolge um: Erst erleben, dann entscheiden. In einer computergenerierten, realitätsnahen Umgebung können Kunden Farben, Materialien und Designs sehen, bevor etwas umgesetzt wird. Das reduziert Missverständnisse und Diskussionen, weil es weniger Interpretationsspielraum gibt.

Augmented Reality geht einen Schritt weiter: Digitale Inhalte werden direkt in die reale Umgebung eingeblendet. Hinweise, Arbeitsschritte, Werkzeuge, Maße, Vorschläge. AR ist der leise Helfer, der nicht ersetzt, sondern führt.

Spannend wird es in der Ausbildung. Denn hier geht es nicht nur um Wissen, sondern um Wiederholung, Sicherheit und Fehlerkultur. VR ermöglicht das Üben von Techniken in einer kontrollierten Umgebung, ohne Materialverbrauch, ohne Emissionen, ohne Risiko. Muster erstellen, Farbschichten auftragen, mit speziellen Werkzeugen arbeiten: alles trainierbar, bevor es „in echt“ teuer wird.

Und in den Prozessen? VR unterstützt die präzise Visualisierung und Planung von Projekten. AR kann Informationen in den Arbeitsalltag projizieren, von Maßangaben bis Farbvorschlägen. Das Ziel ist wieder nicht Technik. Das Ziel ist: weniger Fehler, weniger Nacharbeit, weniger Materialverschwendung.

3) Digital nachhaltig: Sparen beginnt beim Messen

Nachhaltigkeit im Handwerk wird gern in großen Worten verpackt. In der Praxis beginnt sie oft mit einem ganz kleinen Schritt: sauberer Datenerfassung. Wer Flächen präzise erfasst, kalkuliert genauer. Wer genauer kalkuliert, bestellt passender. Und wer passender bestellt, wirft weniger weg.

Digitale Aufmaß-Apps und Online-Bedarfsrechner helfen dabei, Flächen exakt zu erfassen und den Materialbedarf genauer zu bestimmen. Das reduziert Verschnitt und Abfälle. Und es schont nebenbei das Budget, gerade bei kleineren Betrieben, bei denen jeder Fehlkauf spürbar ist.

KI kann hier als Material-Co-Pilot dienen. Nicht als Orakel, sondern als schnelle Denkstütze: Fragen zu Verbrauchsmengen, passenden Materialien, nachhaltigen Alternativen. In den neueren Werkzeugen kommt ein weiterer Hebel dazu: Skizzen auslesen, Wandflächen berechnen, Produktempfehlungen ableiten. Das spart Zeit in der Angebotserstellung und reduziert Planungsfehler.

Und dann ist da noch die Realität jeder Baustelle: Trotz guter Planung bleibt Material übrig. Auch hier hilft Digitalisierung, wenn sie nicht kompliziert wird: Restbestände erfassen, Mengen, Chargen, Haltbarkeiten dokumentieren, für künftige Projekte nutzbar machen. Zusätzlich entstehen Plattformen, über die Handwerksbetriebe Material austauschen können: Überschüsse weitergeben, Kleinmengen beschaffen. Nachhaltigkeit als Netzwerklogik.

Der Kern: Nachhaltig wird nicht, wer „grün wirkt“. Nachhaltig wird, wer Verschwendung systematisch reduziert.

Fazit: Drei Themen, ein Prinzip

KI, VR und digitale Nachhaltigkeits-Tools wirken auf den ersten Blick wie drei getrennte Welten. In der Werkstattlogik gehören sie zusammen. Denn alle drei beantworten dieselbe Frage:

Wie bekommen wir Entscheidungen schneller, sicherer und sparsamer hin?

  • KI macht Kommunikation schneller und Angebote zielgenauer.
  • VR und AR machen Vorstellungen konkreter und Training sicherer.
  • Digitale Tools machen Planung präziser und Materialflüsse intelligenter.

Digital ist dann gut, wenn es Arbeit herausnimmt. Und wenn es die Menschen im Betrieb nicht belehrt, sondern entlastet.