Handwerk 2026: Zwischen Stagnation und Aufbruch in die Zukunft

Handwerk 2026: Zwischen Stagnation und Aufbruch in die Zukunft

Die Lupe von außen: Was wirklich ankommt und Wirkung entfaltet.

Wenn junge Menschen Masterarbeiten schreiben, passiert etwas, das man im Betriebsalltag selten bekommt: Man wird untersucht. Nicht nach Bauchgefühl, sondern nach Wirkung.

Was wird verstanden – und was bleibt Floskel? Welche Angebote werden gesucht, gefunden, genutzt? Und was fällt hinten runter, weil es in der Sprache der Zielgruppe nicht vorkommt? Kommentare, Rückfragen, kleine Irritationen: Das sind keine Randnotizen, das sind Hinweise darauf, wie eine Institution im Jahr 2026 tatsächlich wahrgenommen wird. Von innen wie von außen.

Diese Lupenfunktion übernimmt gerade immer häufiger die digitale Öffentlichkeit: Suchanfragen, Bewertungssterne, Weiterempfehlungen, stille Abbrüche. Wer Transformation will, sollte diese Daten nicht für Marketing halten, sondern für Strategie. Und genau darüber haben wir mit dem Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich der Handwerkskammer Koblenz diskutiert – nicht als Pflichttermin, sondern als Gedankensturm zum Jahresanfang. Danke an Laura Welter für die gute Analyse.

Es gibt zu tun: Die Gegenwart heißt „Neue Normalität“ – und sie bleibt.

In der HPI/DHI-Analyse zur „Neuen Normalität“ im Handwerk wird die Lage als dauerhafter Krisen- und Transformationsmodus beschrieben: hohe Transformationsanforderungen, Beschleunigung, Unsicherheit – bis hin zur Komplexitätsüberforderung. Das ist kein kurzfristiges Stimmungstief, sondern ein Strukturmerkmal der 2020er Jahre.

Die entscheidende Verschiebung: Veränderung ist nicht mehr Ausnahme, sondern Betriebsbedingung. Damit wird Resilienz zur Kernkompetenz – nicht als Tapferkeitsmythos, sondern als systematische Fähigkeit von Menschen, Betrieben und Rahmenstrukturen, mit Schocks umzugehen und sich adaptiv weiterzuentwickeln. Die Studie betont dabei ausdrücklich die Rolle von Politik und Handwerksorganisationen als „Resilienz-Enabler“.

Wer heute über „Zukunft“ spricht, spricht deshalb weniger über eine Vision – und mehr über eine Architektur, die Lernen, Anpassung und Umsetzung dauerhaft möglich macht.

Zukunft gibt es nicht im Singular – und genau darin liegt die Chance

Wer Transformation gestalten will, braucht konstruktive Zukunftsbilder, die in Werkstätten, Betrieben und Bildungszentren testbar werden. Nicht als PowerPoint, sondern als Prototyp. Und hier kommt eine Lösung ins Spiel, die im Handwerk oft noch fehlt: Orte, an denen Zukünfte gebaut werden können – gemeinsam, praxisnah, messbar.

Lasst uns loslegen.

Reallabore statt Laberrunden

Wir brauchen mehr Reallabore: echte Betriebe, echte Prozesse, echte Daten, echte Umsetzung. Jedes Team arbeitet an drei Typen von Aufgaben:

  • Zeitfresser (Organisation/Unterstützung): Angebots- und Nacharbeit, Dokumentation, Termin- und Ressourcenplanung
  • Werttreiber (Produktion/Montage): Qualität, Fehlervermeidung, Materialeinsatz
  • Markt & Kundschaft (Verkauf/Kommunikation): Erreichbarkeit, Beratung, Visualisierung

KI-Werkstatt mit Handwerkstauglichkeits-Check

Statt „Tool-Show“: ein Verfahren, das jede Idee durch drei Fragen schickt:

  • Wo im Prozess? (Welche Prozessstufe verändert sich?)
  • Wo bleibt der Mensch unersetzlich? (Wahrnehmung/Feinmotorik, Kreativität, soziale Intelligenz)
  • Wie bleibt es humanzentriert? (Autonomie, Transparenz, Befähigung)

Hybrid-Bildung, die den Alltag der Menschen im Handwerk ernst nimmt

Wir müssen Weiterbildung so bauen, dass sie für Menschen im Betrieb besser funktioniert. Die HPI-Analyse macht deutlich: Hybride Lernformen (gleichwertiges Zusammenspiel mehrerer Lernorte) sind ein zentraler Baustein künftiger Angebote – aber oft fehlen stellenweise noch Konzepte, didaktische Integration, rechtliche Absicherung und passende Förderlogik. Wichtig ist dabei auch der Raumbegriff: regional erreichbar, digital zugänglich, mehrortig organisiert – damit Bildung nicht am Fahrweg scheitert.

Startup- und Hochschulbrücke – aber mit Handwerksregeln

Studierende sehen zu selten die Option, fürs Handwerk Dienstleistungs- oder Produktlösungen zu entwickeln; Hackathons und KI-Werkstätten können eine risikoarme Brücke bauen, bei der Handwerk früh Feedback gibt. Hier liegen ungeahnte Chancen.

Die Kammer als Ökosystem-Operator in den Regionen

Wenn Resilienz auch von Netzwerken, Beratung, Qualifizierung und Kooperationen abhängt, wird die Rolle der Kammer neu lesbar: nicht als Verwaltungseinheit, sondern als Betriebssystem der Region, das Menschen, Betriebe, Bildung und Innovation verbindet.

Am Ende wird es persönlich: Was macht das eigentlich mit den Mitarbeitern?

Zum Schluss unseres Gesprächs wurde es wieder nah. Weil „die Kammer“ kein abstraktes Gebilde ist. Hands-on, mit einem Draht in die Betriebe, der wirklich kurz ist: anrufen, zuhören, Idee schärfen, ausprobieren, umsetzen. Nicht als Heldengeschichte, sondern als Arbeitsmodus. Und ja: Das kann sich nach echter Work-Life-Balance für den Nachwuchs anfühlen – nicht, weil weniger zu tun wäre, sondern weil die Vielfalt und die Aufgaben Sinn ergeben. Ärmel hoch und anpacken. Die Projekte sind so unterschiedlich wie das Handwerk selbst.

Die Frage fürs neue Jahr lautet deshalb nicht: Wie modernisieren wir eine Institution? Sondern: Wie machen wir aus ihr, was sie im Kern sein kann – einen regionalen Beschleuniger für Können, Unternehmermut und echte Umsetzung in anspruchsvollen Zeiten?

Wenn „Zukunft“ plural ist, dann braucht es Orte, an denen man mehrere Zukünfte ausprobieren darf – bis eine entsteht, die trägt. Hier in Koblenz haben wir diesen Ort. Ganz nach dem Motto. Machen ist wie Wollen, nur krasser. ;) Ich freue mich auf ein spannendes 2026. Toll, dass Christina Reuter-Dupp neu an Bord ist. So werden die Taten und Aktionen sichtbarer für ein starkes Handwerk. Also schon mal folgen! ;)

Wer tiefer einsteigen will in die Zukünfte im Handwerk. Hier der Link zu einigen guten Studien und Veröffentlichungen:

👉 Sammelband „Neue Normalität – Entwicklungslinien für das Handwerk von morgen“ zusammengestellt vom Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik zu finden unter: https://repo.uni-hannover.de/items/b712f9a1-420e-43c1-b2a1-e8c2c9a825fb

👉 Regenerative Zukünfte und künstliche Intelligenz aus dem Hause Springer Nature zu finden unter: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-46577-3

👉 Status-Quo der Digitalisierung im Handwerk: Erfahrungen und Zukunftsperspektiven von Betrieben und Beratenden zu finden unter: https://repo.uni-hannover.de/items/c7207382-455d-4f3c-a215-70bac20d5ce9

👉 Jahrbuch 2025 ZUKUNFT KOMMT VON KÖNNEN. UND WIR KÖNNEN ALLES, WAS KOMMT. Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) zu finden unter: https://www.zdh.de/fileadmin/Oeffentlich/Presse/Publikationen/Jahresberichte/2025/ZDH_Jahrbuch2025_WEB.pdf

Handwerkskammer Koblenz Service GmbH der Handwerkskammer Koblenz Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk

#Zukunft #Handwerk #KI #AI #Robotik #StartUp #Zukunftsdesign #Hackathon #Prompt-a-thon #KIWerkstatt #Handwerkskammer #EinfachMachen