Zwischen Werkstatt und Algorithmus

Zwischen Werkstatt und Algorithmus

News

25.000 Euro für den KI-Einstieg in NRW

Die NRW‑Bank hat das Förderprogramm »Impuls KI« gestartet. Kleine und mittlere Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen können Zuschüsse von bis zu 25.000 € beantragen, gedeckt werden bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben.

Gefördert wird Beratung zur Identifikation und Priorisierung von KI-Anwendungsfällen, dazu Tests von KI-Systemen für einen konkreten Anwendungsfall. In begrenztem Umfang zahlt das Programm auch Softwarelizenzen, Hardwaremieten und Testinfrastrukturen. Also genau die Phase, für die im Betrieb sonst niemand Budget freigibt: das Ausprobieren, bevor feststeht, ob sich etwas rechnet. Anträge laufen ab sofort digital über das Online-Portal. 👉 https://www.nrwbank.de/impuls-ki

LinkedIn drosselt KI-Müll um 40 Prozent

LinkedIn hat eine erste Bilanz zum Meldebutton für KI-generierte Beiträge gezogen. Die Funktion „seems like AI slop“ wurde seit dem Start vor wenigen Wochen schon über eine Million Mal genutzt. Chief Product Officer Hari Srinivasan schrieb in einem Update, dass Mitglieder inzwischen 40 Prozent weniger Aufrufe von Inhalten sehen, die das Unternehmen als KI-Schrott einstuft.

Wie die Meldungen konkret in die Reichweitensteuerung einfließen, lässt LinkedIn offen. Srinivasan verweist auf „viele Signale“ und auf eingebaute Leitplanken, die verhindern sollen, dass jemand die Funktion gezielt gegen andere Mitglieder einsetzt. Neu ist eine Benachrichtigung in den Post-Analytics: Verfasser erfahren jetzt, wenn ihr Beitrag gemeldet wurde.

GPT-Image-2 erzeugt Bilder jetzt ohne Hintergrund

OpenAI hat in seiner API eine Vorschaufunktion für transparente Hintergründe im Bildmodell GPT-Image-2 freigeschaltet. Damit entstehen PNG-Bilder ohne Hintergrund, die sich auf beliebige Untergründe legen lassen. Das zugehörige Cookbook nennt vier Anwendungsfälle: Produktbilder für Online-Shops, Diagramme für PowerPoint-Folien, Designelemente wie Icons und Sticker sowie Motive für Merchandise-Artikel.

Der Unterschied zum nachträglichen Freistellen mit den üblichen Tools liegt im Verfahren. Der Alphakanal entsteht direkt beim Erzeugen des Bildes, deshalb bleiben laut OpenAI auch schwierige Stellen wie durchsichtiges Glas oder dünne Fasern besser erhalten. Aktiviert wird die Funktion über den Parameter „background=transparent". OpenAI rät, im Prompt keinen Hintergrund zu beschreiben, weil das Modell sonst trotzdem einen erzeugt.

Zwei Einschränkungen: Für Diagramme mit exakten Zahlen empfiehlt OpenAI, die generierten Werte von Hand zu prüfen, denn das Modell erzeugt Rastergrafiken ohne Garantie auf pixelgenaue Genauigkeit. Und die Einrichtung läuft über Python mit den Bibliotheken OpenAI und Pillow sowie einem API-Schlüssel. Das ist noch nichts zum Nebenbei-Ausprobieren, aber für alle, die regelmäßig Produktfotos für den Shop freistellen lassen, sollte sich der Blick lohnen. 👉 https://www.mind-verse.de/news/openai-transparente-hintergruende-gpt-image-2

🔎 Blick unter die Motorhaube

Diese Woche mal etwas detaillierter: MCP, oder warum euer Chatbot plötzlich eure Fachsoftware bedienen darf

Eric Sturm hat im Online-Magazin Internet-für-Architekten einen Fachartikel veröffentlicht, der eine Frage beantwortet, die uns in Werkstätten und Planungsbüros ständig gestellt wird: Kann die KI nicht einfach in mein Programm schauen?

Inzwischen ja. Der Weg dorthin heißt Model Context Protocol, kurz MCP. Stellt euch eine genormte Steckdose vor: Statt für jedes Programm eine eigene Schnittstelle zu bauen, gibt es einen Standard, an den sich Chatbot und Fachsoftware beide halten. Ein Chatbot, der das Revit-Modell liest, eine GAEB-Datei durchrechnet, ein Miro-Board fortschreibt oder einen Beitragsentwurf auf der Büro-Website anlegt: technisch geht das seit einigen Monaten.

Bei den CAD- und BIM-Herstellern ist die Sache beeindruckend, aber eng begrenzt. Autodesk hat seit Juni 2026 den Revit Public MCP‑Server, den ersten offiziell vom Hersteller gestellten Zugang dieser Art. Er filtert das Modell, liest Elementdaten, wählt Elemente aus, nimmt sie heraus, öffnet Ansichten und exportiert. Dazu zwei Einschränkungen: Er läuft ausschließlich mit Revit 2027, und er arbeitet nur lesend. Autodesk nennt das eine bewusste Entscheidung und hat einen getrennten Server für Schreibzugriffe angekündigt.

Bluebeam liefert MCP-Funktionen seit Mai 2026 weltweit im Abonnement Bluebeam Max. Trimble hat im April 2026 einen SketchUp-Connector für Claude gestartet, der aus Text oder Skizze eine fertige SKP-Datei erzeugt. Bestehende Modelle bearbeiten kann er nicht. Für ArchiCAD und Rhino gibt es bisher erste Projekte aus der Open-Source-Community.

Bei Bürosoftware und Projektmanagement-Tools sieht es deutlich besser aus. Slack, Jira, Confluence, Asana, Notion, monday.com, Miro, Box und Dropbox sind längst dabei. Google Workspace hat eigene MCP-Server, Microsoft 365 Copilot seit Frühjahr 2026 über „Custom Connectors“. Wer mit diesen Werkzeugen arbeitet, ist in Minuten startklar.

Die Lücke sitzt woanders, nämlich bei der deutschsprachigen Fachsoftware. Ich bin gespannt, was hier in den kommenden Wochen kommt.

Interessant ist noch das Beispiel pyGAEB. Das Open-Source-Tool bringt GAEB-Dateien in den Chatbot, sodass sich Positionen, Mengen und Gesamtsummen direkt abfragen lassen, ohne dass der Hersteller mitspielen muss. Es kostet nichts, und die Auswertung bleibt auf dem eigenen Rechner. Im BIM-Umfeld funktioniert dieselbe Logik für IFC.

👉 https://internet-fuer-architekten.de/mcp-ki-chatbot-cad-bim-buerosoftware/ 👉 https://www.autodesk.com/blogs/aec/2026/06/17/revit-public-mcp-server/ 👉 https://datumos.build/de/blog/gaeb-in-your-ai-assistant-pygaeb-mcp/

📙 Buchtipp der Woche

Manfred Bruhn und Karsten Hadwich (Hrsg.): „Digitale Serviceinnovationen. Künstliche Intelligenz, Servicegestaltung, Innovationsdesign“, erschienen bei Springer Gabler in der Reihe Dienstleistungsmanagement.

Wer gerade über Kundenkommunikation nachdenkt, sollte den Beitrag von Fabian Brunet und Matthias H. J. Gouthier lesen: „Conversational Agents im Kundenservice – Die Ära der Chatbot-Persona“. Beide forschen am Lehrstuhl für Marketing und digitale Services am Institut für Management der Universität Koblenz.

Der Beitrag fragt, warum manche Chatbots im Kundenservice funktionieren und andere nerven, und leitet aus Experteninterviews ab, welche Merkmale eine Chatbot-Persona braucht. Wer überlegt, einen Assistenten auf die Betriebswebsite zu setzen, findet hier das Denkgerüst dafür. Die eigentliche Arbeit steckt dabei weniger in der Technik als in der Frage, wie der Bot klingen soll.

👉 https://doi.org/10.1007/978-3-658-52045-8_5

🚀 KI-Startups für Handwerk & Mittelstand

Zwei Neuzugänge auf dem Radar.

Soforce, KI-Prozessautomatisierung für Bau und Handwerk

Soforce automatisiert wiederkehrende Abläufe, die täglich über E-Mail, PDF und Fachsysteme laufen und heute manuell geprüft, übertragen und nachverfolgt werden: Auftragsbestätigungen gegen die Bestellung abgleichen (Preise, Mengen, Termine), Lieferscheine mit Rechnungen zusammenführen, Anfragen vorqualifizieren, Nachträge nachverfolgen, Freistellungsbescheinigungen und Nachweise von Subunternehmern auf Gültigkeit prüfen, Mängelmeldungen dem Gewerk zuordnen.

Beschrieben wird eine Automatisierung in normaler Sprache, technische Kenntnisse sind nicht erforderlich. Für den Betrieb gibt es zwei Wege: selbst automatisieren oder Automatisierung als Service, bei der Soforce Aufbau, Betrieb und Überwachung übernimmt. Beides lässt sich kombinieren und jederzeit wechseln.

Aufgefallen ist uns vor allem, dass der Nutzen im Dashboard steht. Eingesparte Zeit gegenüber dem manuellen Prozess, Woche für Woche, gemessen aus den laufenden Automatisierungen statt geschätzt. Jede Ausführung ist protokolliert. Im Tagesgeschäft produktiv ist das bei Widmer Sonnenschutz & Federwellen mit mehreren Hundert Vorgängen monatlich. Danke für den guten Austausch, Lukas Wrede. 👉 https://soforce.ai

Skalar, digitale Steuerberatung

„Die wahrscheinlich effizienteste Steuerberatung Deutschlands“, schreibt der Anbieter über sich selbst. Finanzbuchhaltung, Lohn und Jahresabschluss laufen, soweit automatisierbar, über die Plattform. Dahinter sitzt laut Skalar ein festes Team mit Namen und Gesicht: Steuerberater, die die Zahlen kennen, Optimierungen finden und beraten.

Der Einstieg ist ein kostenloses Erstgespräch über 30 Minuten, das Festpreis-Angebot kommt vorab. Als Referenzen nennt die Website Handelsblatt, Sifted, Munich Startup und deutsche Startups. 👉 https://skalar.de

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