Hättehausen: die Stadt, die der Bau nie gebaut hat
Benetics AI hat eine Webseite gebaut, auf der man durch eine Stadt fährt, die es nicht gibt. Hättehausen ist eine Rechengröße. Die Frage dahinter: Was wäre, wenn die Produktivität am Bau seit 1991 mit der Gesamtwirtschaft mitgehalten hätte?
Laut Statistischem Bundesamt erwirtschaftete das Baugewerbe je Arbeitsstunde 2019 real rund 12 Prozent weniger als 1991. Die Gesamtwirtschaft lag bei plus 44 Prozent. Nach vorläufigen Zahlen für 2025 ist der Abstand noch gewachsen. Besonders betroffen ist der Ausbau, also Elektro, SHK, Trockenbau und Co.: Hier sank die Wertschöpfung je Erwerbstätigem laut Benetics um rund 28 Prozent. Und hier arbeiten drei von vier Erwerbstätigen am Bau.
Hochgerechnet fehlen rund 2,3 Millionen Wohnungen, genug für eine Stadt größer als Berlin. Benetics sagt selbst, dass das ein Wohnungsäquivalent ist und keine Zahl tatsächlich verhinderter Wohnungen. Zum Vergleich: 2025 wurden rund 206.600 Wohnungen fertig, gebraucht werden laut BBSR etwa 320.000 pro Jahr. Die Stadt hat fünf Bezirke, jeder steht für eine Bremse: Paragrafenfeld (Bürokratie), Trennfurt (Planen und Bauen getrennt), Einmalfeld (jeder Bau ein Unikat), Nachtragsheim (Änderungen, Mängel, Nacharbeit) und Zettelbach (der Weg der Information zwischen Baustelle und Büro). 👉 https://www.benetics.ai/haettehausen
KI verändert Führung, nicht nur Technik
Passend zur Zeichnung vom Anfang hat Prof. Dr. Daniel Schallmo (Hochschule Neu-Ulm) einen Management-Insight zu „AI Leadership" veröffentlicht. Sobald KI Empfehlungen ausspricht, Entscheidungen vorbereitet oder selbst handelt, stellen sich neue Fragen: Wer entscheidet? Was dürfen wir delegieren, was bewusst nicht? Wer trägt die Verantwortung?
Den Satz habe ich mir rausgeschrieben: Es geht nicht darum, möglichst viel KI einzusetzen, sondern eine Entscheidungsarchitektur zwischen Mensch und KI zu bauen, die funktioniert und die man verantworten kann. Im Handwerksbetrieb heißt das: Wer schaut drüber, bevor ein KI-Angebot rausgeht? Und wer hat Zeit dafür? Wenn die Antwort „der Chef, abends" ist, seid ihr schon mitten in der Zeichnung.
Wenn ein Stil nur noch einen Prompt entfernt ist
Robin Holesinsky, Designer für Startups, hat „hairline" vorgestellt, einen Claude-Skill von Lucas Marques für isometrische Illustrationen mit feinen Linien. Sieht richtig gut aus. Robin würde ihn trotzdem bei keinem Kunden einsetzen.
Den Stil hat sich Lucas bei Linear abgeschaut und neu gezeichnet. Das war echte Arbeit. Jetzt erzeugt ihn jeder per Prompt, und bald sieht man ihn auf hunderten Webseiten. Schön aussehen kann die KI inzwischen. Schwer bleibt die Entscheidung, was zur eigenen Marke passt. Für eure Website und Social Media heißt das: Wenn alle mit demselben Werkzeug dieselben Bilder bauen, fällt der auf, der echte Fotos von der echten Baustelle zeigt. 👉 https://github.com/lucasmarkes/hairline
GIS und BIM ohne Dateiaustausch
BIM-Manager Alain Bourgeois hat ein Konzept für GIS2BIM gezeigt: Geodaten werden direkt im BIM-Viewer abgerufen und als 3D-Geometrien erzeugt. Kein Exportieren, Umwandeln und Importieren mehr. Der Viewer holt sich Bodenbedeckung, Kanalnetz und Blockmodell passend zur Kameraposition über eine Schnittstelle vom GeoServer.
Für Tiefbauer und alle mit vielen Leitungsplänen ist das spannend. Jede Datei, die nicht mehr hin- und hergeht, ist eine Fehlerquelle weniger. Und wir sind wieder in Zettelbach.
Karlsruhe schreibt ein Manifest zur digitalen Souveränität
Am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe wurde das „Karlsruher Manifest zur Digitalen Souveränität" vorgestellt: zwölf Punkte von Leuten aus Unternehmen, Verwaltung und Forschung, darunter KIT, FZI und CyberForum. Die Definition daraus finde ich sehr brauchbar: Digital souverän ist, wer handlungsfähig bleibt, versteht, was er nutzt, seine Abhängigkeiten kennt und Anbieter wechseln kann.
Für euren Betrieb heißt das: Wisst ihr, wie ihr aus eurer Branchensoftware wieder rauskommt? Wo eure Daten liegen und in welchem Format ihr sie bekommt? Wer das beantworten kann, ist souveräner als viele Konzerne. 👉 https://karlsruhe.digital
🔎 Blick unter die Motorhaube
Fünf Meter bis zur Lösung: Brüderl Manufaktur und Maxicom
Die dds hat in Ausgabe 10/2026 die vernetzte Schreinerei zum Titelthema gemacht. Redakteur Georg Molinski war dafür bei der Brüderl Manufaktur in Traunreut. 1949 als Bau- und Möbelschreinerei gegründet, vereint die Gruppe heute Architektur, Innenarchitektur und Manufaktur, mit rund 60 Mitarbeitenden in der Schreinerei. Geführt wird sie von Schorsch Brüderl und seinen Söhnen Georg und Benedikt.
Seit anderthalb Jahren sitzt Berater Florian Heinz von Maxicom dort in einem Büro mit Blick in die Fertigung. Er hat den Weg eines Auftrags Schritt für Schritt dokumentiert, von der Anfrage bis zur Montage. Ergebnis: ein knapp fünf Meter langes Flussdiagramm an der Wand. Es zeigt, wo Informationen in Excel-Listen, Access-Datenbanken und anderen Insellösungen hängen bleiben.
Der Befund ist typisch. Die Abläufe funktionieren gut, sagt Prozessverantwortlicher Philipp Jilg. Das Problem sind die Daten, verteilt auf 14 Programme. Künftig soll das ERP-System von Borm die zentrale Datenplattform werden, ohne Mehrfacheingaben und Medienbrüche.
Florian Heinz sagt es so: Die Zukunft gehört nicht den Unternehmen mit der meisten Software, sondern denen mit den einfachsten Prozessen. Mir gefällt, dass die Geschichte mit Papier an der Wand anfängt und nicht mit einer Softwareauswahl. Fünf Meter Papier sind billiger als jede Lizenz und zeigen euch, wo es wirklich klemmt. 👉 https://www.dds-online.de
🎧 Spannende Podcastfolge
Diesmal in eigener Sache: Im Machercast gibt es eine neue Folge aus der Reihe „Blick unter die Motorhaube": „KI macht deinen Bürokram. Dank MCP Handwerkersoftware per KI-Chat steuern." Zu Gast ist Gina Shams von Das Programm. Wir reden darüber, wie ihr eure Handwerkersoftware über MCP an einen KI-Chat anschließt und per Zuruf Angebote, Termine oder Auswertungen erledigt. Wer nach Hättehausen wissen will, wie man in Zettelbach anfängt: Hier ist eine Antwort für die nächste Fahrt zur Baustelle. 👉 https://youtu.be/_Fljz7xode4?si=JiqN5MnmUZZmrhC0
🚀 KI-Startups für Handwerk & Mittelstand
JENLY.AI: vertrauenswürdige KI für regulatorische Dokumentation
Die AGT Akademie für Gestaltung und Technologie meldet ein neues ZIM-Projekt: JENLY.AI soll regulatorische Dokumente erstellen und prüfen, mit nachvollziehbaren Quellen und lückenlosem Audit-Trail bis zur Freigabe. Partner sind Navigate the Future, das DFKI und Fraunhofer IAIS.
Spannend für alle mit eigenen Entwicklungsideen ist der Weg dahin, den ZIM-Berater Sebastian Winkelmann beschreibt: erst die Durchführbarkeitsstudie, direkt danach das F&E-Projekt beantragt, trotz Antragsstopps ohne große Pause. Nach dem Projekt sollen laut Winkelmann auch wieder „Leistungen zur Markteinführung" beantragbar sein, mit bis zu 100.000 Euro Volumen und 50 Prozent Zuschuss. 👉 https://jenly.ai
Leo AI: von der 2D-Zeichnung zum 3D-Modell
Leo AI macht aus 2D-Konstruktionszeichnungen bearbeitbare 3D-CAD-Modelle: parametrisch, mit vollständigem Feature-Baum und direkt in der eigenen CAD-Software zu öffnen. Wer im Metallbau oder in der Zulieferung schon mal ein altes Teil nach Papierzeichnung nachmodelliert hat, kennt den Aufwand. Und weiß, wie leicht man eine Toleranz falsch abliest. Laut Leo AI dauert das jetzt Minuten statt Stunden. Ich würde es an einem Teil testen, das ihr gut kennt, und genau nachmessen. 👉 https://www.getleo.ai
Kommt gut in die nächste Woche.
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