Zwischen Werkstatt und Algorithmus

Zwischen Werkstatt und Algorithmus

NRW steckt 1,3 Millionen Euro in KI in der Ausbildung

Das NRW-Arbeitsministerium fördert das Projekt "KI.Werkstatt Ausbildung NRW" mit rund 1,3 Millionen Euro. Die Universität Siegen untersucht zusammen mit dem Bildungswerk der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft in zehn Modellbetrieben aus unterschiedlichen Branchen, wie KI Auszubildende beim Lernen und Arbeiten unterstützen und das Ausbildungspersonal im Alltag entlasten kann. Das Projekt läuft zwei Jahre.

Am Ende sollen übertragbare KI-Agenten für die berufliche Ausbildung stehen, die auch andere Betriebe für ihre eigene Weiterentwicklung nutzen können. Später sollen sie landesweit in die Fläche gehen.

Parallel startet "AzubiTrain – Deine Zukunft mit KI", ein landesweites Schulungsangebot, das jungen Menschen Grundlagen in der Anwendung von KI vermitteln soll. Für Auszubildende und Ausbildungspersonal in NRW ist es ab September kostenlos. Wenn ihr in NRW ausbildet, kostet euch der Einstieg gerade nichts außer Zeit. 👉 https://azubitrain.nrw

Die Konstanzer KI-Studie: kein Umbruch, aber wachsende Ungleichheit

Die dritte Welle der Konstanzer KI-Studie ist da. Prof. Dr. Florian Kunze und sein Team vom Future of Work Lab der Universität Konstanz haben im Mai 2026 genau 1.105 repräsentative Erwerbstätige in Deutschland befragt.

38 Prozent der Beschäftigten nutzen KI-Tools bei der Arbeit, nach 35 Prozent im Vorjahr. Interessanter als dieser Zuwachs ist, wie KI in die Betriebe kommt: Nur 55 Prozent der Nutzenden sagen, dass ihr meistgenutztes Tool offiziell vom Arbeitgeber eingeführt wurde. Fast die Hälfte bringt die KI also selbst mit, an der Organisation vorbei.

Artikelinhalte
Entwicklung der KI-Nutzung aus der Konstanzer KI-Studie 2026

Dann die Zahlen, bei denen es für unsere Branche unangenehm wird. In Büro- und Wissensarbeit nutzt fast die Hälfte KI, 49 Prozent. In produktionsnahen und körperlichen Tätigkeiten nur jeder Vierte. Nach Bildungsabschluss sind es 56 Prozent bei hohem und 21 Prozent bei niedrigem Abschluss. Beide Gruppen wachsen, die Lücke schließt sich trotzdem nicht. Offen darüber reden tun in der Wissensarbeit 51 Prozent, in produktionsnahen Tätigkeiten 28.

Der Befund, den ich mir ausgeschnitten habe, betrifft die Betriebsgröße. In kleinen Organisationen berichten elf Prozent von KI-Trainings und zehn Prozent von verbindlichen Nutzungsregeln. In großen Unternehmen liegen diese Werte zwei- bis dreimal so hoch. Und quer durch alle Größen nehmen nur 16 bis 25 Prozent der Beschäftigten ihre direkte Führungskraft als Ansprechperson für KI wahr.

Zwei Zahlen noch für alle, die von der großen Disruption lesen: Zwölf Prozent nehmen einen KI-bedingten Rückgang bei Einstiegspositionen wahr. 23 Prozent sehen bislang einen spürbaren Beitrag der KI zur Wertschöpfung ihres Unternehmens. Zwischen Debatte und Werkbank liegt also noch eine ordentliche Strecke. 👉 https://kops.uni-konstanz.de/server/api/core/bitstreams/ce780763-4f69-4f56-a2a5-8d27033d5691/content

Anthropic rechnet nach und widerspricht damit dem eigenen Chef

Passend dazu hat Anthropic ein Wirtschaftsmodell veröffentlicht, das drei Szenarien für die US-Wirtschaft bis 2030 durchspielt. Matthias Bastian hat es bei THE DECODER - ALLES ÜBER KI eingeordnet.

Im moderaten Szenario wirkt KI ähnlich wie das Internet: leichtes BIP-Wachstum, stabile Löhne. Der Anteil der Wissensarbeiter sinkt von 62,2 auf 59,7 Prozent, 2,5 Prozent der Arbeitnehmer werden verdrängt, 1,8 Prozent wechseln den Beruf. Im mittleren Szenario wächst die Wirtschaft doppelt so schnell, die Löhne für Wissensarbeiter stagnieren aber, und Programmierer oder Callcenter-Mitarbeiter müssten in Berufe wie Elektriker oder Krankenpfleger wechseln. Das Modell hält diesen Wechsel selbst für schwierig und sieht die Arbeitslosigkeit steigen. Im Extremszenario verdoppelt sich die Wirtschaftsleistung alle 4,5 Jahre, die Arbeitslosigkeit unter Wissensarbeitern klettert auf 17,9 Prozent, und statt 60 gehen nur noch 45 Prozent des BIP an Arbeitnehmer.

Artikelinhalte
https://www.anthropic.com/institute/econ-scenarios

Dario Amodei, CEO von Anthropic, hatte im Mai 2025 gewarnt, dass bis 2030 bis zur Hälfte aller Einstiegsstellen in Büroberufen wegfallen und die Arbeitslosigkeit auf 10 bis 20 Prozent steigen könnte. Diese Zahlen decken sich mit dem Extremszenario. Das hauseigene Modell stuft die Prognose des eigenen Chefs damit als unwahrscheinlichsten Ausgang ein. 👉 https://www.anthropic.com/institute/econ-scenarios

Apple bringt Audio-Analyse auf die Uhr

Apple hat neue Apple-Watch-Funktionen vorgestellt, die Live-Audio analysieren und in Text umwandeln, und zwar auf dem Gerät.

Audio Intelligence erkennt Geräusche wie Sirenen, Alarme, Türklingeln oder Baby-Weinen und schlägt auf der Uhr Alarm. Live Rewind gibt per Doppelklick auf die Digital Crown die letzten 15 Sekunden wieder und transkribiert sie automatisch. Siri Recap hört mit und erstellt daraus keine wortgetreuen Abschriften, sondern komprimierte Notizen mit Titel, Zusammenfassung und Schlüsselpunkten, gedacht für Meeting-Takeaways. Spannend für die Baustelle und alle Protokolle im Handwerk. 👉 https://www.businessinsider.de/tech/apple-watch-kann-eure-gespraeche-mithoeren-darum-ist-das-unheimlich/

ChatGPT Images 2.5: Skizzieren statt Prompten

OpenAI hat ChatGPT Images 2.5 vorgestellt und mit "Sketch" eine Zeichenfunktion direkt in den Chat integriert. Mit @Sketch öffnet sich ein Zeichenfenster, in dem ihr mit Maus, Stift oder Finger skizziert. Die Skizze dient dann als Vorgabe für das Bild.

Dazu kommen Kommentare direkt an Bildteilen, mit denen sich gezielte Änderungen verlangen lassen. OpenAI gibt an, dass Images 2.5 solche Änderungswünsche über mehrere Nachrichten hinweg zuverlässiger umsetzt. Außerdem verspricht das Unternehmen natürlichere Beleuchtung, reichere Texturen und eine bis zu 50 Prozent schnellere Generierung als bei Images 2.0. Verfügbar ist die Funktion für ChatGPT-, ChatGPT-Work- und Codex-Nutzer auf Desktop, Mobil und Web.

Wer Kunden etwas zeigen muss, das noch nicht existiert, kommt mit drei Strichen auf dem Tablet oft weiter als mit drei Absätzen Beschreibung. 👉 https://openai.com/de-DE/index/introducing-chatgpt-images-2-5/

World Labs ATLAS: drei Handykameras, ein begehbarer Moment

Gefunden bei Marco Demont, der es einen Matrix-Moment nennt. World Labs hat mit ATLAS ein KI-Modell vorgestellt, das Text, Bilder, Video und 3D in einem gemeinsamen räumlichen Kontext verarbeitet. ATLAS versteht also nicht nur, was es sieht, sondern auch, wie eine Szene räumlich aufgebaut ist und sich über die Zeit entwickelt.

Das Beispiel dafür heißt Space-Time Simulation. Aus Videoaufnahmen von drei normalen Smartphone-Kameras rekonstruiert ATLAS eine Szene räumlich, friert den Moment ein und erzeugt anschließend Kameraperspektiven, die so nie aufgenommen wurden. Eine KI-generierte Bullet Time. 👉 https://www.worldlabs.ai/blog/atlas

📙 Buchtipp der Woche

"Hallo, wie fühlst du dich heute? Wie künstliche Intelligenz unsere Beziehungen verändert" von Christoph Koch, erschienen beim Kein & Aber Verlag .

Das Buch geht in einen Bereich der KI, der in unseren Debatten kaum vorkommt. Nicht Produktivität, nicht Effizienz, sondern Nähe. Was passiert mit uns, wenn ein System darauf ausgelegt ist, uns das Gefühl zu geben, verstanden zu werden?

Aufmerksam geworden bin ich über Wolf Lotter, der das Buch empfiehlt, weil es in einen Bereich der KI vordringt, der üblicherweise ausgespart bleibt. Wenn Lotter das sagt, muss man es lesen.

Ihr entscheidet gerade, welche Rolle solche Systeme in euren Betrieben spielen. Und die Frage, ob ein Kunde am anderen Ende mit einem Menschen oder mit einer Maschine spricht, landet in den nächsten Jahren in unseren Telefonanlagen. Es hilft, vorher darüber nachgedacht zu haben.

🔎 Blick unter die Motorhaube

Irmela Schwab schreibt beim handwerk magazin die Kolumne "KI im Handwerk". Folge 12 stellt eine Frage, die in der Branche selten laut gestellt wird: Wie kommen Frauen und KI zusammen?

Ihr Ausgangspunkt ist unbequem. Viele kleinere und mittlere Unternehmen, die in Deutschland annähernd 99 Prozent aller Arbeitgeber ausmachen, drehen der Technologie noch den Rücken zu. Und innerhalb dieser Betriebe halten sich Frauen bei KI und anderen Technologien meist im Hintergrund.

Schwab saß beim ReDI Talent Summit 2026 Ende Juni in München an einem Roundtable zum Thema "Women x AI". Ausgerichtet hat ihn die ReDI School of Digital Integration, eine Non-Profit-Einrichtung, die Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung durch kostenlose IT- und Digitalkurse beim Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt unterstützt. An ihrem Tisch saßen sechs Leute. Gesprochen wurde über fehlende weibliche Vorbilder im beruflichen Kontext und darüber, dass viele Frauen sich zurückhalten, weil sie befürchten, nicht ernst genommen zu werden. Oder weil sie sich selbst zu wenig zutrauen. Schwabs Kommentar dazu: "Tja. Da ist was dran." 👉 https://www.handwerk-magazin.de/ki-trends-im-handwerk-wie-sich-betriebe-sichtbar-machen-mit-ihrer-ganz-speziellen-note-338424/

🚀 KI-Startups für Handwerk & Mittelstand

HEYBENNO erblickt das Licht der Welt: Lars Müller hat mit Benno etwas gebaut, das genau ein Problem löst und das vollständig. Benno ist ein Rechnungs-Büro in WhatsApp. Sprachnachricht rein, fertige E-Rechnung raus.

Der Ablauf hat drei Schritte. Ihr schickt Benno eine kurze Sprachnachricht, so wie ihr es dem Kollegen erzählen würdet: Kunde, Stunden, Material. Benno schickt eine Vorschau mit Kunde, Posten und Summe zurück. Stimmt etwas nicht, sagt ihr es ihm, so oft ihr wollt. Ohne euer Okay passiert nichts. Dann tippt ihr auf "Erstellen" und habt die fertige PDF im Chat, ohne App und ohne Login.

Über die Bequemlichkeit hinaus geht der rechtliche Teil. Es ist eine echte E-Rechnung im ZUGFeRD-Format, das für Rechnungen an Firmenkunden ab 2028 Pflicht wird und heute schon von großen Auftraggebern verlangt wird. Fortlaufende Nummern, alle Pflichtangaben, GoBD-konform archiviert. Lohn und Material werden automatisch getrennt ausgewiesen nach Paragraf 35a, damit eure Privatkunden den Arbeitslohn steuerlich geltend machen können. Und einmal im Monat gibt es einen Klick, der alle Rechnungen sortiert für den Steuerberater exportiert, fertig für DATEV. 👉 https://heybenno.de

Go Lizard - Betriebsmittelsicherheit per App und Smart-Tag: Ein System aus Hard- und Software von Wolf + Strauss Solutions, für alle, die für eine Vielzahl an Betriebsmitteln verantwortlich sind, vom Feuerlöscher bis zum Rolltor, oder als Prüfservice die Wartung übernehmen. Einer der Köpfe ist Bastian Strauß. Ein echter digitaler Vordenker und Macher.

Der Kern ist ein Smart-Tag am Gerät. Der Lizard Pro ist robust gebaut, hält laut Anbieter fünf Jahre Akkulaufzeit durch und bringt Bluetooth und NFC mit. Er zeigt den aktuellen Prüfstatus auch dann an, wenn niemand ein Smartphone oder Tablet zur Hand hat. Daher der Claim "Safe at first Sight". Verkratzte, unleserliche Prüfaufkleber und zeitraubendes Aktenstudium fallen weg.

Bei der Prüfung werden die Betriebsmittel in der App gescannt, die Wartungsprotokolle landen digital in einer gemeinsamen Datenbank für Prüfer und Betreiber. Beide Seiten sehen dasselbe, was Rückfragen erspart.

KI steckt an der Stelle, an der solche Projekte sonst liegen bleiben: beim Onboarding. Egal ob ihr mit Papierstapel, PDFs oder Excel-Listen ankommt, der Import läuft KI-gestützt. Mit dem Lizard-Essential-Angebot lässt sich das System kostenlos testen. 👉 https://go-lizard.com

Und in eigener Sache: CraftTech Innovationsforum 2026

Am 15. September ist es so weit. Das CraftTech Innovationsforum 2026 findet in der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main statt, Kettenhofweg 14-16 in Frankfurt, sechster Stock. Einlass ab 17:30 Uhr, Beginn 18:00 Uhr, Ende gegen 21:30 Uhr. Ich moderiere den Abend.

Das Thema heißt in diesem Jahr "Die Vielfalt im Handwerk". Fünf Startups pitchen, jeweils fünf Minuten plus fünf Minuten Fragen aus dem Publikum:

Ab in die Pause mit Nabil Al-Monaoar, eine mobile Lösung für Zeiterfassung sowie Stunden- und Urlaubskontrolle. Cosy Green mit Alexander Hirsch, KI-gestützte Heizungsoptimierung für Mehrfamilienhäuser. Kenergy Solutions GmbH mit Marcel Decker und Jacob Bürkle, KI-gestützte, vollautomatisierte Photovoltaik-Planung auf Basis von Satellitendaten. CLAWBUIS mit Samir Ballhausen, ein agentisches KI-System für den Arbeitsalltag im Handwerk, von der Planung über die Kalkulation bis zu den Stücklisten. IWAND mit Iwan Laumann, ein nachhaltiges Raumteiler- und Gestaltungssystem.

Dazu ein Panel-Talk zum Thema "Karrierewege im und mit dem Handwerk". Jens Schirmer-Arendt von Nolte Bedachungen erzählt von der Unternehmensnachfolge und davon, wie er den bestehenden Betrieb übernommen und neu ausgerichtet hat. Die vier Gründerinnen von ReUseCity, Yasmin Walz, Louise Schneider, Melda Demir und Vinolia Machmor, geben Einblick in den Aufbau ihres Startups, einer Plattform zur Vermittlung von Leerstand an kreative Startups.

Tage Bo Flebbe von Futury bringt einen Fachbeitrag zur Startup-Finanzierung mit. Und weil ein Abend ohne gutes Essen nur ein halber Abend ist, stellen sich drei Food-Startups vor: Atelier Cream mit Linda Adams, Jake's Beverages mit Gero Kästle und Daniela Escobar Balaguerra, und die Bäckerei Ouwe mit Marius Hörle.

CraftTech ist eine Kooperation der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, der Frankfurt University of Applied Sciences und von Frankfurt Forward. Im Netzwerk sind inzwischen über 240 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mehr als 90 eingebundene Handwerksbetriebe und 25 Startups. Adrian Burghardt von der Handwerkskammer nennt das Format Katalysator und Bühne zugleich.

Kommt vorbei, die Startups sind mit Ständen vor Ort. 👉 https://crafttech.info

#MACHERBRIEFING #KI #Mittelstand #Handwerk #Startup #News made by www.christophkrause.com