Koblenz, KI & Zukunft

Koblenz, KI & Zukunft

Am 3. September 2026, kommen Experten in den Stadtrat von Koblenz und diskutieren die Frage: Wofür kommen die Leute eigentlich noch in die Innenstadt, wenn sie alles auch vom Sofa aus bestellen können?

Das Zukunftsinstitut hat dafür ein Wort geprägt: Resonanz. Menschen beurteilen einen Ort nicht mehr danach, ob er funktioniert, sondern danach, ob sie sich dort zugehörig fühlen. Die Innenstadt als dritter Ort neben Wohnung und Arbeit. Arbeiten, essen, lesen, lernen, Freunde treffen. Vieles davon fand früher zu Hause statt und wandert jetzt immer mehr in die Stadt. Das IFH Köln landet im Handelsszenario 2030+ beim selben Befund: Aufenthaltsqualität, Multifunktionalität und Erlebnis entscheiden, ob eine Innenstadt lebt.

Wo passt da die KI hinein? Als Instrument, mit dem eine Stadt sieht, was sie bisher nur vermutet hat. Das wurde ich gefragt, muss aber in Stuttgart auf der Bühne stehen. Ich wäre gern dabei gewesen.

Künstliche Intelligenz macht die Innenstadt besser messbar. Passantenfrequenzen, Leerstände, Öffnungszeiten und Veranstaltungen liegen in den meisten Rathäusern in getrennten Systemen. Gewerbeflächen werden in Listen gepflegt. Das Statistische Bundesamt nutzt Frequenzdaten aus über 20 Innenstädten inzwischen als Frühindikator für den Einzelhandel.

KI macht die Zukunft ausprobierbar. Hamburg, Leipzig und München bauen seit 2021 erste digitale Zwillinge, seit 2024 gibt es dafür einen DIN‑Standard. Leipzig hat Straßenbilder per KI auswerten lassen und daraus ein neues Parkkonzept entwickelt. Das könnte für Leerstand, Frequenz oder Hitze in der Fußgängerzone genauso gehen.

Und KI vergrößert Beteiligung. Hamburg lässt Rückmeldungen aus der Bevölkerung mit Sprachmodellen auswerten. Das System erkennt Themen und bündelt sie. Eine Stadt hört damit nicht mehr nur die 200 Leute, die zur Bürgerversammlung kommen. Sie kann auch Kommentare und Wortmeldungen aus den sozialen Netzwerken auswerten und mit dem zusammenbringen, was sie ohnehin über ihre Innenstadt weiß.

Und dann ist da das Thema, über das in jeder Innenstadtdebatte einmal geredet wird: Sicherheit. Das Sicherheitsgefühl entscheidet mit darüber, ob Menschen abends noch kommen. Mannheim testet seit 2018 als bundesweites Pilotprojekt eine KI-gestützte Videoüberwachung, entwickelt mit dem Fraunhofer IOSB. Das System erkennt keine Gesichter, sondern Bewegungsmuster wie Schläge, Tritte oder eine hilflos liegende Person, und meldet sie an das Lagezentrum. Ob eingegriffen wird, entscheidet dort ein Mensch. Die abschließende Auswertung kommt Anfang 2027, und die Zwischenbilanz ist offen gesagt gemischt: Die Polizei ist schneller vor Ort, das Sicherheitsgefühl der Befragten ist gestiegen, die erfasste Straßenkriminalität in den überwachten Bereichen liegt aber wieder auf dem Niveau von vor der Einführung. Ich würde Koblenz deshalb nicht empfehlen, das nachzubauen, bevor die Evaluation vorliegt. Was ich empfehlen würde, ist der unaufgeregtere Teil: Frequenzdaten zeigen, welche Wege abends verwaisen und wann genau. Beleuchtung, Sichtachsen und Nutzungsmischung lassen sich daraufhin planen. Ein belebter Ort ist immer noch der beste Schutz, und ob er belebt ist, kann man heute messen statt schätzen. Über Kameras kann man danach immer noch reden, dann aber mit Zahlen und mit klaren Regeln aus dem AI‑Act, der biometrische Identifikation im öffentlichen Raum aus guten Gründen fast vollständig verbietet.

Die Studie von BBSR, Difu und Fraunhofer IESE aus dem vergangenen Jahr nennt allerdings die Bedingung: KI bringt nur etwas, wenn sie in Strukturen eingebettet ist, die es schon gibt. Erst das Ziel, dann die Daten, dann die Technik. Koblenz hat hier einen Vorsprung. Fördergebiet, ISEK, Projektbüro Lebendige Innenstadt, Lenkungsgruppe, Leerstandsmanagement mit LeAn, die BID Schlossstraße, alles vorhanden.

Was Koblenz konkret tun könnte, in drei Wellen:

KI-Führerschein für 100 Einzelhändler mit HWK und IHK. Studierendenprojekt „Innenstadt 2040“ an Uni und Hochschule mit echten Leerständen als Aufgabe. Frequenzsensoren an fünf Punkten. Datenstrategie Innenstadt auf einer Seite.

Hackathon „Innenstadt hackt“ mit Handel, Handwerk, Hochschule und Verwaltung. Hier entstehen die Lösungen, die wirklich gebraucht werden. Ein bundesweites Barcamp „KI und Innenstadt“ in Koblenz. Ein erster digitaler Zwilling für Leerstand und Frequenz im Rahmen des Open-Data-Zusammenschlusses rheinland-pfälzischer Städte.

Community der Innenstadtmacher am Projektbüro. Jedes kommunale Instrument bekommt eine Kennzahl und einen Prüftermin. Virtuelle Bürger- und Kundenrunde als Vorstufe echter Beteiligung. Dazu Koblenz als Creator-Stadt mit 895.000 Übernachtungen als Reichweite.

Koblenz macht heute schon richtig viel Gutes, um die Innenstadt lebendig zu halten. Da ich im Jahr über 150 deutsche Innenstädte erleben darf. Kann ich sagen. Mein Gott, ist Koblenz auf einem guten Stand!

Jenny Krause bringt das mit der Praxis aus ihrer Frl. Diehl Karamell Manufaktur heute vor. Von Hand gemacht, von Maschinen gefunden. Sie spricht sich für mehr echtes Handwerk in den Innenstädten aus. Produktion, die man wirklich sehen kann. KI macht gerade auch einiges sichtbar. Das Echte erlebt eine wahre Renaissance. Die Zahlen der Ausbildungsverträge steigen in ganz Deutschland. Der junge Nachwuchs sucht das Handwerk aus. Der Grund? Die Sorge um Veränderung, die KI in anderen Branchen gerade vorantreibt.

Nach Stuttgart folgen noch Berlin und Erfurt. Dann aber bin ich zurück im schönen Koblenz. Lasst es uns anpacken und die Themen Wasser, Wein, Genuss & Verweilen in die Zukunft bauen.

Als Inspiration habe ich hier ein paar interessante Projekte aus anderen Städten gesammelt:

Digitale Zwillinge https://www.connectedurbantwins.de/ https://www.leipzig.de/leipzig-strategie/digitale-stadt/aktuelle-projekte/connected-urban-twins https://stadt.muenchen.de/infos/connected-urban-twins.html https://www.smart-city-dialog.de/ueber-uns/modellprojekte-smart-cities/hamburg-leipzig-muenchen
https://smart.wuppertal.de/projekte/digital-zwilling.php

Bürgerbeteiligung mit KI https://dipas.org/ https://www.staedtetag.de/publikationen/staedtetag-aktuell/2025/heft-5/hamburg-ki-managt-buergerbeteiligung 

Leerstand und Ansiedlung https://www.le-an.de/ueber-uns/ https://stadtlabore-deutschland.de/lean https://ifhkoeln.de/stadtlabore-deutschland/its-a-match-erste-ansiedlung-nach-erfolgreichem-lean-matching-in-der-hanauer-innenstadt/ 

KI in der Verwaltung https://stadt.muenchen.de/news/mucgpt-neue-version.html  https://ki.muenchen.de/ki-systeme/mucgpt  https://www.staedtetag.de/themen/digitale-stadt/kommunale-ki https://stadtzug.ch/de/news/2026/august-2026/stadt-zug-schafft-sichere-grundlage-fuer-den-einsatz-kuenstlicher-intelligenz

Studie KI und Stadtentwicklung https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/sonderveroeffentlichungen/2025/ki-stadtentwicklung.html https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/sonderveroeffentlichungen/2025/ki-stadtentwicklung-dl.pdf?__blob=publicationFile&v=3 

Sicherheit https://www.iosb.fraunhofer.de/de/projekte-produkte/intelligente-videoueberwachung.html https://netzpolitik.org/2025/verhaltensscanner-im-mannheim-hier-wird-die-ueberwachung-getestet-die-so-viele-staedte-wollen/