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ChatGPT bekommt Werbung, und zwar in Deutschland
Vor zwei Jahren nannte Sam Altman Werbung in ChatGPT noch den „letzten Ausweg“. Jetzt kommt sie. Zunächst nur in der kostenlosen Version und zunächst kontextbasiert: Wer sich über Fußball unterhält, sieht Fußballwerbung. Personalisierte Werbung soll optional zuschaltbar sein, was nicht an der Gutmütigkeit von OpenAI liegt, sondern an der DSGVO.
Markus Beckedahl Gründer des Zentrums für Digitalrechte und Demokratie, erklärt den Unterschied so: Bei einer Suchmaschine tippt man Stichworte ein, einem Chatbot schildert man seine Lage. OpenAI weiß dadurch teilweise sehr viel über die intimsten Vorstellungen seiner Nutzer, und genau das macht die Plattform für Werbekunden wertvoll. Werbekunden sollen sogar E-Mail-Listen hochladen können, um einzelne Personen gezielt anzusprechen. Wer bezahlt, gibt übrigens dieselben Daten preis und kauft sich nur die Werbefreiheit.
Für euch heißt das: Wenn ihr Kundendaten, Kalkulationen oder Angebotstexte in die Gratis-Version kippt, wird das perspektivisch Teil eines Werbemodells. Für Betriebsdaten benötigt ihr einen bezahlten Zugang oder eine Lösung mit Auftragsverarbeitungsvertrag. Eine ziemlich banale Hausaufgabe, die trotzdem kaum jemand macht. 👉 https://www.deutschlandfunk.de/chatgpt-fuehrt-werbung-ein-was-das-fuer-nutzende-bedeutet-100.html
Jeder vierte Betrieb nutzt generative KI
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat die aktuelle Studienübersicht der Begleitforschung Mittelstand-Digital veröffentlicht, erstellt von Ramboll, IW Medien GmbH (Institut der deutschen Wirtschaft Köln Medien GmbH) und IW Consult.
Das IAB hat dafür rund 15.000 Betriebe befragt. 2023 nutzten 5 % generative KI, 2025 sind es 25 %. Weitere 9 % planen den Einsatz konkret, und 40 % aller Beschäftigten arbeiten inzwischen in Unternehmen, die KI nutzen.
Die Verteilung ist allerdings sehr unterschiedlich: Große Betriebe liegen bei 48 %, kleine bei 21 %. IT und Kommunikation führen mit 59 %, der Finanzsektor mit 50 %. Baugewerbe und Gastgewerbe bilden mit 13 bis 15 % die Schlusslichter.
Und die Art der Nutzung: 90 % der Betriebe setzen auf Gratis-Anwendungen. Nur 21 % haben feste Leitlinien zu Datenschutz etabliert, 22 % planen sie gerade. 👉 https://doku.iab.de/kurzber/2026/kb2026-08.pdf
Der Deutsche Mittelstandsbund kommt in seinem KI-Mittelstandsindex auf höhere Werte: 51 % der befragten Unternehmen nutzen oder testen KI, ein Plus von 54 % gegenüber 2024. Der Einsatz von KI-Agenten hat sich auf 16,6 % fast verdoppelt. Als größte Hürden nennen die Betriebe fehlendes Wissen über Einsatzgebiete (39,9 %), den Schutz von Daten und Geschäftsgeheimnissen (32 %) und mangelnde gesetzliche Klarheit (26,6 %). 👉 https://www.mittelstandsbund.de/alle-nachrichten/ki-index-mittelstand-2026-ki-nutzung-steigt-um-54-prozent-einsatz-von-ki-agenten-fast-verdoppelt
Aus der Bitkom-Erhebung ist mir noch eine Zahl hängen geblieben: 90 % der Firmen halten KI für entscheidend, 71 % würden für Tools bezahlen, aber erst 22 % nutzen sie aktiv. 72 % haben keine zentrale Digitalstrategie. 👉 https://www.bitkom.org/sites/main/files/2026-03/bitkom-praesentation-digitaliserung-der-wirtschaft-2026.pdf
Automatisierung im Handwerk: neues Whitepaper von HERO
HERO Software hat 300 Betriebe aus dem Bauhandwerk befragt und daraus ein kostenfreies Whitepaper gemacht: „Automatisierung im Handwerk. In fünf Schritten zum automatisierten Betrieb.“
Die Kernzahlen:
70 % der Betriebe mit Automatisierungslösungen berichten von gesteigerter Effizienz, 63 % von weniger Fehlern, 35 % von reduzierten Kosten.
98 % der Betriebe mit Cloud-Lösungen sehen eine bessere Effizienz bei administrativen Aufgaben, 92 % konnten einzelne Prozesse automatisieren.
88 % der Betriebe mit digitaler Komplettlösung verzeichnen ein Umsatzwachstum von mindestens 5 %. Bei Einzellösungen sind es nur 51 %.
Der wunde Punkt steht weiter hinten: Nur 61 % der Betriebe haben in den vergangenen fünf Jahren überhaupt in Digitalisierung investiert. Bei Betrieben mit zwei bis fünf Mitarbeitern sind es 16 %. Als Gründe nennen sie fehlendes technisches Know-how (53 %), Zeitaufwand (16 %) und Kosten (15 %).
Die empfohlenen fünf Schritte: recherchieren und vergleichen, passende Lösung finden, Zeitfresser identifizieren, Automationen schrittweise einführen, testen und verbessern.
Was ich mir aus dem Whitepaper gemerkt habe: Automatisierung ist meistens gar keine KI. Es ist eine Software, die einen Trigger erkennt und daraufhin etwas auslöst, vorab von Menschen definiert und jederzeit änderbar. Etwa die automatische Terminbestätigung an den Kunden, sobald ihr das Projekt angelegt und terminiert habt. Das spart keine Weltrekorde, aber jede Woche ein paar Stunden Handarbeit. 👉 https://storage.googleapis.com/media-hero-de-9411/DE-AT-CH/Features/hero-software-hero-copilot-whitepaper.pdf
Was KI mit Jobs macht, und was eben nicht
Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn hat untersucht, ob KI den Fachkräftemangel im Mittelstand lindern kann. Kurzfristig lautet die Antwort „ja“. KI übernimmt repetitive Routinen wie Belegverarbeitung oder Standardkommunikation, entlastet die Belegschaft und mildert akute Besetzungsprobleme, ohne dass Stellen wegfallen. Langfristig verschwindet der Bedarf nicht, er verschiebt sich zu spezialisierten Qualifikationen. Ein Profil bleibt laut Studie weitgehend unverändert: stark analog geprägte Tätigkeiten. Also genau das, was auf der Baustelle passiert.
Das McKinsey Global Institute rechnet für Europa vor, dass rund 58 % der Arbeitsstunden theoretisch automatisierbar wären, ausdrücklich ohne das als Prognose für Massenarbeitslosigkeit zu meinen. Drei Viertel der heute gefragten Kompetenzen bleiben wichtig. Interessanter finde ich, was in Stellenanzeigen wächst: regulatorische Konformität (+411), Qualitätskontrolle (+310), kritisches Denken und Problemlösung (+ 269). Rückläufig sind Grundlagenwissen, Technik, Business Intelligence und Office-Software.
Wer prüft und verantwortet, wird also stärker gebraucht als jemand, der Daten von A nach B tippt. Ob das im Alltag so sauber aufgeht, wird man sehen.
Wann muss KI eigentlich gekennzeichnet werden?
Bei Text: Wurde der Inhalt von einem Menschen geprüft, ist die Kennzeichnung freiwillig. Ohne menschliche Prüfung ist sie Pflicht.
Bei Bild, Video und Audio hängt es nicht daran, ob etwas komplett erzeugt oder nur bearbeitet wurde, sondern an der Frage nach dem Deepfake. Ist es einer, gilt Kennzeichnungspflicht. Ist es keiner, ist die Kennzeichnung freiwillig.
📙 Buchtipp der Woche
„KI-Agenten im Unternehmen. Bewertung, Integration und Governance autonomer KI-Systeme“ von Jan Sommer und Prof. Dr. Holger von Jouanne-Diedrich, erschienen bei Springer.
Der Unterschied zum Chatbot steckt schon im Wort. Ein Chatbot antwortet auf das, was ihr fragt. Ein Agent plant sich die Zwischenschritte zum Ziel selbst zusammen, sucht sich die passenden Werkzeuge und entscheidet unterwegs. Genau da wird es für Betriebe interessant und gleichzeitig heikel.
Einen Befund der Autoren finde ich passend zu den Zahlen dieser Woche: Viele Agenten-Projekte gehen nie in den produktiven Betrieb, und an der Technik liegt es dabei selten. Das Buch führt deshalb an den Fragen entlang, die vorher zu klären sind. Was ist agentische KI überhaupt? Wann lohnt sich der Einsatz? Welche Lösung passt zur eigenen Ausgangslage? Im Zentrum steht das Kontrollproblem autonomer Agenten, also die Frage, wie ihr die Hand auf einem System behaltet, das eigenständig entscheidet. Dazu liefern die beiden Bewertungsraster, Entscheidungshilfen und einen Einstiegspfad in Etappen.
Wenn KI-Agenten laut DMB-Index schon bei 16,6 % der Mittelständler laufen, ist Governance keine akademische Übung mehr, sondern die Frage, wer haftet, wenn der Agent Mist baut. Prof. Dr. Holger von Jouanne-Diedrich bringt über 30 Jahre KI-Erfahrung mit und erklärt so, dass man es versteht. 👉 https://link.springer.com/book/9783658533144
🔎 Blick unter die Motorhaube
The AI Observatory ist eine öffentliche Messplattform, die sieben Quellen mit echten Nutzungsdaten zusammenführt: 24.521 annotierte Konversationen, 92.493 annotierte Turns, Samples von 2023 bis 2026, über 52 Modelle, ausgewertet nach 145 Merkmalen.
Eine Auswertung vergleicht, wofür Menschen KI wirklich einsetzen, mit dem, was der Anthropic Economic Index ausweist. 47,9 % aller Konversationen sind gar nicht beruflich. Bei den beruflichen Anwendungen führen kreatives Schreiben und Redigieren mit 20,4 %, technische Erklärungen mit 16,3 % und professionelle Dokumente mit 11,0 %. Datenanalyse und Visualisierung liegen bei 0,3 %, Dateisystem-Automatisierung bei 0,2 %.
Der Hype redet über autonome Agenten, die Prozesse steuern. Tatsächlich lassen sich Menschen Dinge erklären und schreiben Texte. Da liegt für euch vermutlich auch der schnellste Hebel, also bei Angebotstexten und Kundenanschreiben, nicht bei der großen Automatisierung. 👉 https://www.ai-observatory.org/
🎧 Spannende Podcastfolge
Conkret, Folge 65, "Zukunft ist kein Zufall". Zu Gast ist Anke Voss, Geschäftsleiterin und Prokuristin der Heinrich VOSS Gebäudetechnik GmbH, 170 Mitarbeitende und 28 Azubis. In 29 Minuten erzählt sie, wie sie Strukturen dort aufgebaut hat, wo vorher keine waren, und was Führung für sie heißt: Verantwortung für Menschen und ihre Potenziale statt Kontrolle. Ausbildung ist bei ihr nicht verhandelbar. Als nächste Ziele nennt sie Digitalisierung und Kundenerlebnis. 👉 https://www.hero-con.de/podcast/anke-voss-fuehrung-mut-handwerk-wachstum
🚀 KI-Startups für Handwerk & Mittelstand
Ein quelloffener KI-Agent auf GitHub, der die Rolle des CEO übernehmen soll. Ein Hauptagent führt, mehrere Sub-Agenten übernehmen Chief Financial Officer, Chief HR Officer oder Rechtsberatung. Angebunden wird er über Web-Interface, Slack, Mail, Telegram, Google Chat oder Discord. Als Standardmodell läuft Claude Sonnet 4.6, das Reasoning übernimmt Claude Opus 4.7. Über die Anbindung an die Anthropic-API entstehen Kosten.
SenteLabs.AI zeigt das an einem Beispiel: Bei einem Hersteller für Elektrofahrzeuge analysiert das Tool über Nacht den Markt und stellt fest, dass ein Wettbewerber die Preise gesenkt hat. Am Morgen fragt ein Mitarbeiter, ob man nachziehen soll. Der KI-CEO entscheidet nicht allein, sondern gibt die Frage an alle betroffenen Unteragenten weiter und empfiehlt am Ende, den Preis zu halten, samt Begründung. Nutzer können in die Gedankengänge jedes Modells hineinschauen, Entscheidungen wandern ins Langzeitgedächtnis.
Als Ersatz für den Chef sehe ich das bis jetzt nicht. Als Sparringspartner für Entscheidungen, die man sonst allein am Küchentisch trifft, halte ich den Ansatz für interessant. Gefunden im t3n Magazin. 👉 https://sentelabs.ai/
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