Am 6. Oktober im Teatro-Zelt an der Messe München: Draußen staut sich der Verkehr der EXPO REAL, drinnen spricht Prof. Marcel Fratzscher über die aktuelle Situation in der Baubranche. BAU Insights hat zur BAU PreView geladen.
Er zeigt Zahlen, die nicht zur aktuellen Stimmung passen. Die Baugenehmigungen sind im ersten Halbjahr um 15 Prozent gestiegen, und für 2026 und 2027 rechnet sein Institut wieder mit Wachstum am Bau. Es fehlt nicht an Nachfrage, sondern an Arbeitskräften. In zehn Jahren verliert Deutschland rund 15 Prozent seiner Beschäftigten, und die Produktivität am Bau stagniert seit 25 Jahren. Und dazu quälen wir alle Beteiligten mit inzwischen rund 3.900 Baunormen. Also zurück zur Einfachheit?!
Am Nachmittag kamen wir BAU Insider auf die Bühne und stellten die Leitthemen der BAU 2027 vor. Anschließend diskutierten wir mit der Presse. Mein Thema war KI, Automatisierung und Robotik. Ich sprach über ein Wort, das ich seit Jahren mit mir herumtrage: #EinfachMACHEN.
Die meisten hören darin das Machen. Ran an den Rechner, ausprobieren, scheitern, neu anfangen, bis echte Automatisierung läuft. Das gilt weiter. In dem Wort steckt aber auch die Einfachheit, und darüber reden wir viel zu selten. Wir nehmen analoge Prozesse, die schon vorher zu kompliziert waren, und bauen sie digital nach. Danach sind sie oft langsamer als vorher. Der Handwerker hat dann die 43. App auf dem Handy und trotzdem keinen früheren Feierabend. Unterbrechungen und das ständige Wiederreinfinden kosten Unternehmen in Deutschland rund 58 Milliarden Euro im Jahr, hat der Thinktank New Work Innovation errechnet. Je mehr digitale Werkzeuge im Einsatz sind, desto öfter reißt die Konzentration ab. Und auf diesen Stapel packen wir jetzt noch KI. Bitte hört damit auf. Wir machen die Leute verrückt.
KI kann ein Formularfeld in Sekunden ausfüllen. Mich interessiert mehr, warum es das Feld überhaupt gibt. Wer in zehn Jahren jeden siebten Mitarbeiter verliert, kann sich doppelte Arbeit nicht mehr leisten, auch nicht in digitaler Form. Prof. Fratzscher hat übrigens Schumpeter zitiert: Damit Neues entstehen kann, muss Altes verschwinden. Auf den Betrieb übertragen heißt das für mich, Formularfelder abzuschaffen, statt sie schneller zu füllen. KI können wir für sinnvollere Prozesse nutzen: Aufmaß, Dokumentation, Fehleranalyse, Konstruieren und Berechnen. Ihr kennt ja unsere vielen Praxisbeispiele.
Ausprobieren können wir das auf der BAU 2027, vom 11. bis 15. Januar in München. Dort wird es Macherformate geben, bei denen niemand nur zuhört. Seid gespannt.
Und dann stand das Netzwerken im Fokus. Endlich konnte ich viele Gesichter, die ich nur aus dem digitalen Raum kenne, einmal live sprechen. Darunter spannende StartUps wie BauByte oder www.3tag.ai.

Hier könnt ihr mehr über die BAU Insider erfahren: https://ogy.de/8nmx