Neues zur Woche
Meta und OpenAI: Neue KI-Agenten im Wettlauf
Am 29. September präsentierten Meta und OpenAI fast zeitgleich ihre neuen KI-Agenten. Zufall? Wohl kaum. Es ist ein Rennen. Meta erweiterte seinen persönlichen KI-Agenten Muse um „Muse for Small Business“. Muse, im September gestartet, funktioniert wie ein digitaler Mitarbeiter: Statt einzelner Befehle gibt man ihm ein Ziel. Die neue Version integriert sich in gängige Tools wie Instagram- und Facebook-Geschäftskonten, Canva, Shopify, Stripe, Slack, Zoom und viele mehr. Auch eigene Verbindungen lassen sich erstellen. Muse analysiert Umsätze, schlägt Kampagnen vor, markiert auffällige Ausgaben und sortiert wichtige Mails. Nichts wird jedoch ohne Zustimmung veröffentlicht, verschickt oder bezahlt.
Ein Tester, Tom Mulholland, Betreiber eines Lebensmittelladens in Iowa, bringt es auf den Punkt: „Ich brauche Zeit für das, womit ich wirklich Geld verdiene. Steaks schneiden, Würste machen.“ Das könnte genauso gut ein Metzger aus der Eifel gesagt haben. 👉 https://muse.ai/business
Am selben Tag stellte OpenAI „Dots“ vor. Diese Agenten laufen dauerhaft und erledigen laut OpenAI „fast alles“. Jeder Dot hat einen eigenen Cloud-Computer mit Browser, basiert auf GPT-6 Astra und verbindet sich mit über 4.000 Apps. Nutzer erreichen ihren Dot über ChatGPT, Slack, Teams oder bald auch per Sprachanruf und SMS. Mit der Zeit soll der Dot immer besser verstehen, wie sein Nutzer tickt.
Dots starten in ausgewählten Märkten für Pro-, Business-Premium- und Enterprise-Pläne. Der erste Dot ist inklusive. Für Unternehmen testet OpenAI spezialisierte Dots, etwa für Einkauf, Rechnungsbearbeitung oder Kundenservice. 👉 https://openai.com/index/introducing-dots/
Einordnung: Beide Agenten zielen auf Aufgaben, die kleinen Betrieben oft abends die Zeit rauben: Angebote nachfassen, Rechnungen schreiben, Mails sortieren. Ob sie im deutschen Alltag zuverlässig funktionieren, bleibt abzuwarten. Klar ist: Ohne saubere Prozesse und vernetzte Software können auch die besten Agenten wenig ausrichten. Ich bin gespannt, wann wir sie in Deutschland testen dürfen.
Jev: Das KI-Modell, das nur entscheidet
Seit drei Wochen sprechen Entwickler über ein KI-Modell, das keinen einzigen Satz formuliert. Jev stammt vom Start-up TypeSafe AI aus San Francisco. Gründer Diogo Almeida hat bei OpenAI an den Grundlagen von ChatGPT mitgearbeitet.
Jev analysiert einen Sachverhalt, etwa eine Kundenmail, und beantwortet eine festgelegte Frage. Ist das eine Anfrage, eine Reklamation oder eine Rechnung? Wie dringend ist der Fall, auf einer Skala von 1 bis 5? Braucht der Kunde den Notdienst? Das Ergebnis: eine Entscheidung mit Wahrscheinlichkeit, zum Beispiel „Reklamation, 94 Prozent“. Laut Hersteller dauert das weniger als eine halbe Sekunde und kostet knapp vier Cent pro Million Token. Da die Antworten vorgegeben sind, erfindet Jev nichts hinzu.
Im Einsatz sortiert Jev Post, priorisiert Notfälle, ordnet Belege vor, bewertet Anfragen oder prüft automatisch erstellte Angebote auf Pflichtangaben. Ist Jev sicher, läuft der Vorgang weiter. Ist es unsicher, greift ein Mensch ein.
Wichtig zu wissen: Jev funktioniert nur über eine Schnittstelle und benötigt eine Automatisierung im Hintergrund. Das Modell arbeitet auf Englisch. Ein guter Einstieg ist dieses Video mit dem Entwickler. 👉 https://youtu.be/cJ0EOzey--o?si=yGyYMHGoSkWdGX44
nuwacom: Das KI-Betriebssystem aus Koblenz jetzt als Smartphone-App
Endlich ist es soweit. Sascha Böhr baut die Zukunft der KI direkt vom deutschen Eck aus. nuwacom aus Koblenz bringt sein KI-Betriebssystem als App auf iPhone und Android. Bislang lief nuwacom nur im Browser. Doch dort findet man im Handwerk und Mittelstand selten jemanden, wenn die entscheidenden Informationen entstehen.
Zur Einordnung: nuwacom vereint KI-Chats, Firmenwissen, Agenten und Workflows auf einer Plattform. Im Kern arbeitet die sogenannte Context Engine. Sie macht Wissen aus Dokumenten, Meetings und Systemen für die KI nutzbar. Welches Sprachmodell dahintersteckt, entscheidet ihr selbst: OpenAI, Gemini, Claude, Mistral oder erste Modelle aus China. Gehostet wird in der EU, nuwacom ist ISO 27001-zertifiziert und verwendet eure Daten nicht zum Training. Zu den Kunden zählen Lufthansa, IONOS, Debeka und die KV Nordrhein.
Die App bringt nuwacom dorthin, wo die Arbeit passiert. Ihr könnt Chats, die ihr am Rechner begonnen habt, unterwegs fortsetzen und die Agenten und Skills eures Unternehmens mobil nutzen. Für den Mittelstand schließt die App eine Lücke. Das Foto vom Schaden beim Kunden, die Absprache auf der Baustelle oder der Gedanke auf der Heimfahrt landen nicht mehr in der Galerie oder im Kopf, sondern dort, wo die KI sie weiterverarbeiten kann. 👉 https://nuwacom.com 👉 Für die iPhones: https://apps.apple.com/ie/app/nuwacom/id6766276903 👉 Für die Androiden: https://play.google.com/store/apps/details?id=ai.nuwacom.app&hl=de
Was können Roboter heute wirklich?
Während KI-Agenten den Schreibtisch erobern, widmet sich eine neue Studie von Anthropic der körperlichen Arbeit. Die Autoren Russell Legate-Yang und Maxim Massenkoff analysierten mithilfe der US-Datenbank O*NET, welche Tätigkeiten Roboter heute übernehmen können. Ergebnis: Roboter erledigen drei Viertel der körperlichen Arbeiten. Allerdings fast nur unter kontrollierten Bedingungen, etwa in Logistiklagern. In unstrukturierten Umgebungen, wie draußen oder auf Baustellen, schaffen sie gerade mal 2 Prozent der Aufgaben, meist Fahrdienste.
Wirtschaftlich konkurrenzfähig sind Roboter aktuell bei nur 0,3 Prozent der Tätigkeiten. Selbst bei weiter sinkenden Preisen dauert es etwa 40 Jahre, bis sie 10 Prozent erreichen.
Fürs Handwerk gibt es interessante Details: Schweißen klappt mit KI und Kamera, doch ein Schweißer richtet auch Teile aus, steigt auf Leitern und prüft die Qualität. Roboter, die all das können, kosten laut Studie fünfmal so viel wie ein Mensch. Auch bei Bäckern zeigt sich: Ein Roboter, der 180.000 Teigstücke im Jahr formt, ist in kleinen Backstuben kaum wirtschaftlich.
Das größte Hindernis bleibt die Fingerfertigkeit. Bei der Hälfte aller körperlichen Tätigkeiten scheitern Roboter bisher daran, dass sie Dinge nicht präzise genug greifen können. 👉 https://www.anthropic.com/research/what-work-can-robots-do
DIGITALWERK Festival: Bau und Immobilien im Zirkuszelt
Am Dienstag, 6. Oktober 2026, trifft sich die Bau- und Immobilienbranche in München zum DIGITALWERK Festival. Schauplatz ist ein historisches Zirkuszelt gegenüber der Messe München, parallel zur Expo Real. Geplant sind ein Containerdorf, ein Showprogramm und viel Zeit zum Netzwerken. Erwartet werden 750 Gäste und 15 Partner, darunter 88 Prozent Entscheider. Ich werde als BAU Insider vor Ort sein.
Tagsüber läuft die BAU PreView als Vorgeschmack auf die BAU 2027. Statt Pressekonferenzen gibt es direkte Gespräche zwischen Journalisten, Ausstellern und Entscheidern. Das Motto „Städte für die nächste Generation“ passt zur Robotik-Studie: Gebaut wird weiter von Menschen, nur die Werkzeuge ändern sich. Wer in München ist, sollte vorbeischauen. 👉 https://www.digitalwerk.io/dwf/digitalwerk-festival-dwf26
📙 Buchtipp der Woche
Daniel Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken (Pantheon, 640 Seiten). Kahneman, Nobelpreisträger für Wirtschaft, unterscheidet zwei Denksysteme: System 1 ist schnell, intuitiv und automatisch, System 2 langsam, logisch und bewusst. Sprachmodelle versuchen, immer besser in System 2 zu werden. Doch TypeSafe AI geht mit seinem Modell Jev bewusst den umgekehrten Weg wie oben erläutert.
Das Buch ist lesenswert, weil es nicht von KI handelt, sondern von uns: Wie treffen wir Entscheidungen? Wann hilft Intuition, wann führt sie in die Irre? Wer im Betrieb täglich zwischen Angebot, Baustelle und Personal entscheiden muss, findet hier wertvolle Einsichten. Die deutsche Ausgabe hat sich über eine Million Mal verkauft. Auch als Hörbuch erhältlich. 👉 https://www.penguin.de/buecher/daniel-kahneman-schnelles-denken-langsames-denken/paperback/9783570555200
🎧 Podcast-Tipp
In eigener Sache: Philipp Christ hat mich für den Handwerker Podcast von LC-TOP eingeladen. Thema: „KI & Automatisierung im Handwerk: Erst Prozesse, dann Tools“. Wir sprechen darüber, wo KI im Handwerk heute schon hilft – von Baustellendokumentation bis Wissensassistenten. Und warum ohne saubere Prozesse und passende Software nichts funktioniert. Außerdem: Wie erkennt man seriöse KI-Berater? Was bedeutet der EU AI Act? Und wie wird man künftig über KI-Suchen gefunden? 👉 https://www.lc-top.de/blog/podcast/ki-automatisierung-im-handwerk/
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