Zwischen Werkstatt und Algorithmus

Zwischen Werkstatt und Algorithmus

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Deutschland führt bei der KI-Talentdichte

Im Blog von Gunnar Sohn entdeckt: Barbara Wittmann von LinkedIn, präsentierte am Mittwoch auf der Zukunft Personal Europe in Köln eine neue internationale Auswertung. Deutschland liegt bei der Talentdichte, also dem Anteil der LinkedIn-Mitglieder mit KI-Fähigkeiten im Profil, an erster Stelle.

LinkedIn zählt nicht nur Softwareentwicklung und Prompt Engineering, sondern auch Automatisierung, Sensorik, Machine Learning, Robotik und den Betrieb von Rechenzentren. Wittmann führt die deutsche Stärke auf den Maschinenbau, die Automobilindustrie, Medizintechnik und Robotik zurück. Diese Fähigkeiten gab es schon vor dem KI-Boom und sie gewinnen durch KI an Wert. Auch bei Gründerinnen und Gründern mit KI-Kompetenzen sieht sie Deutschland vorn, mehr als Indien.

Ein prägnanter Satz bleibt mir im Gedächtnis: Sie warnt davor, KI in deutschen Unternehmen nur als Instrument zur Kostensenkung zu betrachten. Mittelständische Betriebe sollten die vorhandenen KI-Kompetenzen in der Belegschaft identifizieren und in konkrete Projekte umsetzen. Der Hebel liegt bei den meisten von euch nicht im nächsten Tool, sondern in den zwei, drei Leuten, die abends zu Hause schon damit experimentieren und nie gefragt wurden. 👉 https://ichsagmal.com/linkedin-auswertung-deutschland-liegt-bei-der-ki-talentdichte-auf-platz-eins/

Elf KI-Projekte, sechs Erkenntnisse

Ralf Theil hat für das t3n Magazin elf Use Cases ausgewertet, bei denen Unternehmen Architektur, Prompts, Kosten und Personentage offengelegt haben.

1. Die besten Prompts schreibt, wer die Fälle und Prozesse kennt. Beim Logistikdienstleister Fiege bearbeiteten vierzehn Leute den ganzen Tag Reklamationen, elftausend im Monat. Christian Meierhoff sagt, der Engpass sei nicht der Code, sondern das Prompt-Engineering, das jemand mit tiefem Fachwissen machen muss. Der erfahrenste Sachbearbeiter übersetzte sein Bauchgefühl anhand von zweitausend alten Fällen in Regeln. Nach diesen Regeln entscheidet heute der Agent.

2. Akzeptanz ist Arbeit, nicht Nebenprodukt. Der interne Chatbot der Rewe Group für 20.000 Verwaltungsleute lief technisch sauber, wurde aber kaum benutzt. Erst mit neuem Design, einem Namen, einem Avatar-Gesicht und einer internen Kampagne ging es los. Heute bearbeitet Lumi über 8.000 Anfragen im Monat und löst mehr als die Hälfte allein. Stefan Ueberle erklärt: Auf eine IT-Abteilung ist man schnell sauer, auf einen Avatar seltener. Darum fragt man beim nächsten Mal wieder.

3. Die letzten Prozent kosten den Löwenanteil. Marlen Schenk von S-Communication Services sagt: "80 Prozent sind schnell gebaut. Die letzten 20 sind einfach ekelhaft und kosten mindestens die Hälfte der Zeit." (Oha, das kenne ich.)

4. Nicht alles muss KI sein. Kaba Barsch von Statista+ beschreibt den Klassiker, alles in einen einzigen Prompt packen zu wollen. Ein simples Skript fügt Textschnipsel zuverlässiger und billiger zusammen als ein Sprachmodell. Marco Herten von Veteri bringt es auf den Punkt: "LLMs sind nicht gut in Konstanz."

5. Wie viel die KI selbst entscheiden darf, ist Vertrauenssache und veränderlich. Beim Finanzierungsvermittler DFKP bekommt jeder ausgelesene Wert einen Konfidenzwert. Die Schwelle wurde anfangs bewusst höher gesetzt und sank erst, als das Team dem System mehr zutraute.

6. Plötzlich lohnt sich Arbeit, die sich nie gelohnt hat. In Italien haftet der Logistiker im B2B teils mit einem Euro pro Kilo. Geht ein Shirt für 700 Euro verloren, kostet die manuelle Reklamation mehr, als je zurückkommt. Solche Fälle blieben bei Fiege früher einfach liegen. Heute verfolgt der Agent sie, weil es fast nichts kostet. 👉 https://t3n.de/news/ki-projekte-unternehmen-erkenntnisse-1763683/

KI-Index Handwerk.NRW geht in die zweite Runde

Die Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld sucht Betriebe für die zweite Auflage des KI-Index Handwerk. NRW. Gefragt sind Handwerksbetriebe aus ganz NRW und aus allen Gewerken, die ihre Erfahrungen und Einschätzungen teilen.

Hinter der Erhebung steht KIDiHa - Künstliche Intelligenz im Handwerk, die Künstliche-Intelligenz- und Digital-Offensive für das Handwerk in NRW, zusammen mit der Fachhochschule des Mittelstands, dem Fraunhofer IOSB-INA und der Kreishandwerkerschaft Paderborn-Lippe.

Die Befragung ist anonym, wissenschaftlich und nicht kommerziell. Zwanzig Minuten von euch, und die Zahlen, mit denen im nächsten Jahr über euer Gewerk geredet wird, werden ein Stück ehrlicher. 👉 https://www.ki-di-ha.de/news/neue-auflage-des-ki-index-handwerknrw-startet-handwerksbetriebe-zur-teilnahme-eingeladen/

Lernplattformen mit KI bauen

Das Handwerksblatt hat sich digitale Lernplattformen mit KI angesehen, und die Übersicht ist praktisch, weil sie Preise nennt statt Versprechen.

Der Kern: Plattformen wie 360Learning oder Coursebox bauen aus vorhandenen Dokumenten, Bedienungsanleitungen oder Sicherheitsdatenblättern in Sekunden strukturierte Kurse. Lernvideos per Mausklick, teils mit digitalen Avataren, und die automatische Übersetzung der Inhalte in die Muttersprache der Lernenden. Wer ein Team hat, in dem vier Sprachen gesprochen werden, weiß sofort, was das wert ist.

Für Pflichtunterweisungen ist die Protokollierung interessant. Die Systeme halten automatisch fest, wer wann welche Schulung absolviert hat, und Dashboards zeigen Qualifikationsstände, offene Schulungen und Zertifikate. Das ist der Ordner, den bei der nächsten Prüfung niemand mehr suchen muss. 👉 https://www.handwerksblatt.de/themen-specials/digitales-handwerk/weiterbildung-neu-gedacht-digitale-lernplattformen-mit-ki

Ein kostenloser KI-Kurs, der auf Kleinunternehmen zugeschnitten ist

Anthropic hat in seiner Claude Academy einen Kurs "KI-Kompetenz für Kleinunternehmen" freigeschaltet, auf Deutsch, neun Lektionen, rund vier Stunden, ein Quiz, Abschlussabzeichen. Kein Login nötig, wenn ihr den Fortschritt nicht speichern wollt.

Das Gerüst heißt 4D-Modell: Was übertrage ich überhaupt, wie beschreibe ich es, wie beurteile ich das Ergebnis, und wo schaut ein Mensch drauf. Angewendet wird das auf Recherche, Kundendaten und normalen Betriebskram, nicht auf Beispiele aus der Tech-Branche. In Modul vier baut ihr einen wiederholbaren Workflow und eine KI-Nutzungsrichtlinie für euren Betrieb. 👉 https://academy.claude.com/de/courses/ai-fluency-for-small-businesses

Die Pro-Human AI Declaration

Schon über eine Million Unterschriften gibt es bei dieser Erklärung. (inklusive meiner) Der Grundgedanke: KI soll der Menschheit dienen, nicht umgekehrt. Ausformuliert wird das in fünf Kapiteln. Menschen behalten die Kontrolle, inklusive Off-Switch und dem Verbot von Architekturen, die sich selbst replizieren oder einer Abschaltung widersetzen. Keine Machtkonzentration, keine KI-Monopole. Schutz der menschlichen Erfahrung, unter anderem mit einer Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte und dem Verbot, dass sich ein System als Mensch ausgibt. Handlungsfreiheit und Datenrechte. Und Haftung: keine KI als Haftungsschild für den, der sie einsetzt. 👉 https://humanstatement.org

KI-Startups für Handwerk & Mittelstand

Cadwork.ai: KI, die den Holzbau versteht

Andrea Settimi hat vor einem Jahr bei der Cadwork Holz AG mit einer Frage angefangen: Wie sähe eine KI aus, die speziell für den Holzbau gemacht ist? Kein Allzweck-Assistent mit hölzernem Prompt, sondern etwas, das versteht, wie man in Cadwork mit Holz detailliert, plant und baut.

Zwölf Monate später ist Cadwork.ai in der frühen Beta. Es ist ein Agent, der im Cadwork-3D-Modell sitzt, als Panel andockt und die Software bedient wie ihr: liest das laufende Modell, ändert Attribute, exportiert Daten und zeigt bei jedem Schritt, was er gerade tut. In den Demos sortiert er fehlerhafte Bauteile nach Fehlerart in eigene Szenen, erzeugt einen kompletten belüfteten Fassadenaufbau Schicht für Schicht, löst Kollisionen auf, indem er aus zwei kreuzenden Balken ein sauberes Blatt schneidet, und baut einen Dachstuhl um, zwölf Sparren neu zugeschnitten, Verbindungen aktualisiert, Viewport geprüft. Eine Stückliste kommt als CSV mit 214 Zeilen raus, nach Baugruppen gruppiert.

Settimi ist ehrlich, was den Stand angeht. Rau an manchen Stellen, manches kann es noch nicht, in anderem brillant, und jede Woche etwas schlauer. Für einen ausgewählten Kreis öffnet demnächst eine geschlossene Beta. Wer im Holzbau mit Cadwork arbeitet, sollte da draufschauen, bevor es der Wettbewerber tut. 👉 https://beta.cadwork.ai

In eigener Sache: Startup-Radar Handwerk

Wer nimmt das Telefon ab, wenn du auf der Baustelle stehst? Wer schreibt das Angebot aus dem Plan? Wer sortiert die Fotos vom Bau? Ich habe die jungen Firmen und digitalen Werkzeuge fürs Handwerk auf einer Landkarte zusammengetragen, sortiert nach dem, was sie im Betrieb tatsächlich erledigen. 41 Lösungen, Stand September 2026, filterbar nach Funktion: KI-Betriebssystem, Telefon und Erreichbarkeit, Angebote und Kalkulation, Büro und Rechnungen, Baustellendokumentation, Aufmaß und Vermessung, Sprache und Diktat, Protokolle, Wissen und Einarbeitung, Projektsteuerung, Verträge und Compliance, Zeiterfassung, Akquise, Konstruktion und CAD, Automatisierung.

Wenn euch ein Anbieter fehlt, schreibt mir. Die Liste lebt natürlich. 👉 https://claude.ai/artifact/7MGXaMsqPaw3eb6PMKUQKf

Termine

Die Handwerkskammer Wiesbaden und Next Generation Handwerk machen einen Abend, zur KI-Praxis. Nach einem Impuls um 16 Uhr und einer kurzen Einführung startet ab 16:30 Uhr der "KI Flow-Markt" mit vier Themenbereichen: KI und Mitarbeiter, also Einsatzplanung und Personalbuchhaltung. KI und Kommunikation, Social Media und Marketing. KI und Kunde, von der Auftragsanfrage bis zur Rechnung. KI und Fertigung, Aufmaß, Planung und Lager. Ab 18:30 Uhr gibt es Pizza und Zeit, mit anderen Betrieben zu reden.

Wo: Berufsbildungs- und Technologiezentrum Wiesbaden II "Robert-Werner-Haus", Moltkering 17, 65189 Wiesbaden. Anmeldeschluss ist der 30. September, 12 Uhr. Wer KI schon erfolgreich im Einsatz hat, kann sich als Partner für kommende Termine melden. 👉 https://www.hwk-wiesbaden.de/termine/ki-im-handwerk-erlebe-was-moeglich-ist-44,0,evedetail.html?eve=1631

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