Zu Gast in der MACHBAR

Zu Gast in der MACHBAR

Aus Aachen habe ich ein Wort mitgebracht, das mir nicht aus dem Kopf geht: SORTENREIN. Marc Schnitzler wiederholt es immer wieder, während er mir die neue #MACHBAR der Handwerkskammer Aachen zeigt. Marc beschreibt damit, wie das Handwerk lehrt: Azubis lernen getrennt von Meisterschülern, jedes Gewerk bleibt unter sich. „Die Einladung der MACHBAR lautet, nicht sortenrein zu unterrichten, sondern alle gemeinsam."

Marc kommt aus dem Design. Er hat die Lehre an der Akademie für Handwerksdesign Gut Rosenberg mitentwickelt. Industriedesign denkt in Serien. „Bei IKEA entscheidet das Hochregallager darüber, wie Billy aussieht.“ Das Handwerk fertigt dagegen Unikate und plant nicht nur bis zum Ende der Gewährleistung. „Im Handwerk hast du mit einem Kunden lebenslang eine Beziehung.“ Deshalb entwickeln die Studierenden an der Akademie ihre Projekte selbst. Die Dozenten begleiten sie dabei.

Diese Haltung überträgt die MACHBAR nun auf die überbetriebliche Ausbildung im Handwerk. Dort gilt oft noch die Vier-Stufen-Methode: Der Meister macht vor, der Azubi macht nach. Im Maschinenkurs für Tischler bauen 15 Azubis zwei Wochen lang 15-mal denselben Hocker. Nun entwirft jeder in den ersten beiden Tagen einen eigenen Hocker mit denselben Lernzielen und demselben Material. Der Lehrmeister beobachtet und prüft, was sich umsetzen lässt. Weil alle die Lösungen der anderen sehen, lernt die Gruppe statt sieben Übungen nun 50 bis 60 kennen.

„Dadurch wird aus dem Wissenden Meister ein Nichtwissender“, sagt Marc. „Und es besteht die Chance, dass die Teilnehmer mehr wissen als er.“ Dieser Rollentausch ist überfällig. Wissen ist heute durch KI frei verfügbar, Software erklärt sich fast von selbst. Vor 20 Jahren brauchten seine Studierenden drei Semester, um das CAD-Programm Rhino zu lernen. Heute reicht ein Monat. Trotzdem hat man die Lehrpläne zwei Jahrzehnte lang mit Technik vollgestopft und nach der alten Methode unterrichtet. In Aachen wollen sie die Pläne entrümpeln, damit wieder mehr Zeit für die Hände bleibt. Spannend!

Sortenrein bleibt in der MACHBAR wenig:
🟣 Abends kommen erste Innungen und Betriebe zu Workshops.
🟣 Erste Schulklassen entwickeln ein halbes Jahr lang einen Stuhl um das Handwerk kennenzulernen.
🟣 Der Name gehört allen. Jede Kammer und jede Handwerksinstitution darf das Konzept übernehmen.

„Wenn wir das hier im Kleinen machen, passiert in Deutschland gar nichts“, sagt Marc. Nachmachen ist also ausdrücklich erwünscht.


Vor einiger Zeit haben wir bereits einen MACHBAR-Hackathon veranstaltet. Seid gespannt. Auch in dieser Richtung wird es wieder was geben. Auf ein tolles 2027 in der MACHBAR. Danke Marc für dein tolles Engagement und deinen Mut!