Zwischen Werkstatt und Algorithmus

Zwischen Werkstatt und Algorithmus

News

Claude Duet: ein Agent für Selbstständige und kleine Betriebe

Anthropic hat am Donnerstag Claude Duet vorgestellt. Der Agent behält eure verbundenen Anwendungen im Blick, meldet wichtige Aufgaben und erledigt Arbeiten im Hintergrund. Anthropic richtet ihn ausdrücklich an Selbstständige und kleine Unternehmen. Also an uns.

Jeden Morgen schickt Duet ein kurzes Briefing darüber, was in euren Tools passiert ist. Im Laufe des Tages prüft er alle paar Stunden die Konten und meldet sich, wenn etwas eure Aufmerksamkeit braucht. Ihr legt selbst fest, was Duet meldet und wie oft. In Echtzeit arbeitet er nicht. Laut Anthropic würden häufigere Abfragen das Nutzungskontingent schneller aufbrauchen.

Duet kann zum Beispiel unbezahlte Rechnungen nachverfolgen, Kundenanschreiben entwerfen, Termine planen, Finanz- und Vertriebsprognosen erstellen, Daten aus mehreren Werkzeugen in Übersichten bündeln und kleine Webanwendungen bauen. Ihr steuert ihn per Text oder Sprache. Er arbeitet in einer virtuellen Maschine mit eigenem Browser und macht weiter, auch wenn Laptop und Handy ausgeschaltet sind.

Mich interessiert vor allem: Vor wichtigen Schritten, etwa einer Zahlung oder dem Löschen von Daten, holt Duet eure Freigabe ein. Passwörter und Anmelde-Token sieht der Agent laut Anthropic nie direkt.

Duet läuft derzeit auf Opus 5.5 und startet als Forschungsvorschau. Zunächst ist er nur für Pro- und Max-Abonnenten in den USA und über eine Warteliste verfügbar. 👉 https://claude.com/de/resources/articles/claude-duet

Nach dem Web sind eure Arbeitsabläufe dran

Business Insider berichtet, dass KI-Firmen gezielt Daten aus dem Arbeitsalltag suchen, um Agenten und Roboter zu trainieren. Das offene Web gilt als weitgehend abgegrast, nachdem Unternehmen es jahrelang automatisiert ausgelesen haben. Jetzt suchen sie Material darüber, wie Menschen arbeiten: Abläufe in Unternehmenssoftware statt veröffentlichter Texte. Laut Bericht interessieren sich dafür vor allem Firmen, die Agenten für Büroarbeit und Roboter entwickeln.

Gelesen habe ich das im Newsletter synthszr. Dessen Einordnung finde ich treffend: Das Web war kostenlos und rechtlich umkämpft. Daten aus dem Arbeitsalltag sind teuer, dafür aber exklusiv. Dort findet sich, was im Netz fehlt: „die stillen Zwischenschritte und die Korrektur zwei Sekunden vor dem Absenden“. Im März ging es noch darum, wie viel KI eine Belegschaft nutzt. Jetzt wird diese Nutzung selbst zum Rohstoff.

Für einen Handwerksbetrieb heißt das: Euer Wissen steckt genau in diesen Zwischenschritten. Wie macht ihr aus einem Aufmaß ein Angebot? Welche Position nehmt ihr kurz vor dem Absenden noch heraus? Prüft bei eurer Branchensoftware und euren KI-Werkzeugen, ob und wofür sie eure Nutzungsdaten verwenden dürfen. Lieber jetzt als später.

KI konkret in Böblingen: Erfahrungswissen sichern

Wie kann KI den Arbeitsalltag im Handwerk erleichtern? Und wie lässt sich das Wissen sichern, das in den Köpfen der Mitarbeitenden steckt? Darum geht es am 12. November bei „KI konkret“ in Böblingen.

Tamara Weeber ist Chief of Staff und Chief AI Officer der Autohaus Weeber GmbH. Sie zeigt, wie das Unternehmen KI für Wissensarbeit, Kundenkommunikation und Service nutzt. Außerdem erklärt sie, wie Betriebe passende Anwendungsfälle finden, priorisieren und in konkreten Nutzen übersetzen. Marc Weidel ist Innovationsberater und KI-Beauftragter bei der Elektro-Breitling GmbH. Er stellt das Forschungsprojekt WISER vor. Dort hilft KI, das Erfahrungswissen von Mitarbeitenden zu erfassen, zu ordnen und im Betrieb verfügbar zu machen.

Wann? Donnerstag, 12. November 2026, ab 17 Uhr

Veranstalter sind Wirtschaft und Tourismus Landkreis Böblingen, das Zentrum für Digitalisierung Region Stuttgart – ZD.BB und die Senioren der Wirtschaft. Unterstützt wird die Veranstaltung vom Digital Hub ReDiKo, der Kreishandwerkerschaft Böblingen und AI xpress. 👉 https://zd-bb.de/events/ki-konkret-after-work/

Mittelstand-Digital startet 2027 neu

Am 1. Januar 2027 beginnt für Mittelstand-Digital eine neue Förderphase. Die ersten neuen Zentren starten pünktlich zum Jahresbeginn. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Programm ohne Unterbrechung weiter.

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Neu ist die Ausrichtung: Kleinst- und Kleinunternehmen rücken stärker in den Mittelpunkt. Sechs regionale Zentren dienen als Anlaufstellen vor Ort. Hinzu kommen voraussichtlich elf bundesweite Zentren für Zukunftsthemen und einzelne Branchen. Digitalisierung und KI bleiben Kernthemen. Künftig erhält die Cybersicherheit den gleichen Stellenwert. Neben KI-Trainern wird es deshalb auch Trainer für Cybersicherheit geben. Was bleibt: Die Angebote sind kostenlos, anbieterneutral und auf die Bedürfnisse der Unternehmen zugeschnitten.

Ich finde es richtig, dass sehr kleine Betriebe mehr Aufmerksamkeit bekommen. Wer zu fünft arbeitet, hat selten Zeit, sich durch Anbieter und Förderprogramme zu kämpfen. 👉 https://www.linkedin.com/posts/mittelstand-digital_neues-netzwerk-der-mittelstand-digital-zentren-activity-7518278907696070659-cU3H?utm_source=share&utm_medium=member_desktop&rcm=ACoAAA4x6EsBcmZ56ZwEnrdh5xg_dqgCd6RihX4

Bis zum Neustart gibt es weiterhin interessante Angebote. Zwei Termine habe ich herausgesucht:

Donnerstag, 29. Oktober: Roadshow „Hands on KI“ in Bayreuth

Das Mittelstand-Digital Zentrum Franken lädt ins Gründerzentrum Bayreuth ein. Thema ist, wie KI und Sensorik neue Wertschöpfung im Mittelstand schaffen. Regionale Start-ups stellen ihre Lösungen vor, darunter inContAlert, NeuroForge und das KI-Erfahrungszentrum. Dazu gibt es kurze Vorträge und KI-Anwendungen zum Ausprobieren.

14 bis 18 Uhr, kostenlos. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Gründerzentrum Bayreuth und der Sparkasse Bayreuth-Hof statt. 👉 https://lnkd.in/egybpHAT

Dienstag, 3. November: Workshop „Frischer Wind für Abläufe & Prozesse“ in Hamburg

Das Mittelstand-Digital Zentrum Hamburg lädt zu einem Workshop ein. Ihr untersucht typische Zeitfresser wie doppelte Arbeitsschritte, Wartezeiten und umständliche Abstimmungen. Anschließend probiert ihr einfache Methoden aus, um Abläufe zu verbessern, und prüft, wo KI helfen kann. Das Beste: Ihr arbeitet an euren eigenen Beispielen.

Am 3. November von 14 bis 18 Uhr im ELBCAMPUS Hamburg. Die Teilnahme ist kostenlos, die Plätze sind begrenzt. 👉 https://buff.ly/J2Tclxz

🔎 Blick unter die Motorhaube

LLM-Wiki statt RAG: Wie Daniel Piskoric Firmenwissen für KI aufbereitet

Daniel Piskoric berät und begleitet Mittelständler beim Einsatz von KI für Firmenwissen. In einem LinkedIn-Beitrag erklärt er, warum er Wissensdatenbanken inzwischen anders aufbaut als die meisten. Der übliche Ansatz heißt RAG. Dabei sucht die KI für jede Frage passende Textausschnitte aus euren Dokumenten und formuliert daraus eine Antwort.

Das Problem: Firmenwissen ist oft über viele Quellen verteilt. Piskoric nennt als Beispiel ein Handbuch von 2019, eine Serviceinformation von 2023 und eine aktuelle E-Mail, die erklärt, warum diese Serviceinformation nicht mehr stimmt. RAG findet dann mehrere Ausschnitte, die sich widersprechen. Die KI antwortet falsch, weil bereits der Zusammenhang falsch ist. Sein trockener Nachsatz: „Und keiner merkt es.“ Deshalb baut er meist ein LLM-Wiki. Die KI liest alle Dokumente einmal gründlich und erstellt für jedes Thema eine Wiki-Seite im Markdown-Format. Ein Fachkollege prüft die Seite und gibt sie frei. Erst danach greift die KI auf dieses Wissen zu.

Das Wissen wird also einmal aufbereitet, statt bei jeder Frage neu zusammengesucht zu werden. Es liegt als lesbare Textdatei vor und nicht in einem Vektorindex, den niemand öffnen kann. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, woher eine Antwort stammt.

Auf das Handwerk übertragen: Denkt an die Montageanleitung, das Rundschreiben des Herstellers mit einer Änderung und die E-Mail des Außendienstes, laut der auch dieses Rundschreiben schon wieder überholt ist. Ein Monteur, der nachfragt, braucht die richtige Antwort – nicht die erste, die das System findet. Mir gefällt an diesem Ansatz besonders, dass am Ende eine Datei entsteht, die auch ein Mensch lesen und korrigieren kann. Piskorics Schlussfrage gebe ich an euch weiter: Wo liegt bei euch das Wissen, das nur zwei Kollegen wirklich kennen?

🎧 Spannende Podcastfolge

KI-Agenten: vom Hype zum Nutzen

Im Podcast des Mittelstand-Digital Zentrum Zukunftskultur spricht KI-Trainerin Kristina Bodrožić-Brnić mit Tobias Veit-Seidl, Mitgründer des Münchner Start-ups SCALAN.AI. Es ist Folge 75 der Reihe „Kreativität & KI“.

Die beiden sprechen darüber, wie man in einem schnell wachsenden KI-Markt ein Start-up gründet. Sie erklären auch, wie Mitarbeitende ohne Programmierkenntnisse eigene KI-Agenten gestalten können und warum automatisierte Abläufe klare Regeln und Grenzen brauchen. Vor allem geht es um die Frage: Woran erkennt man, ob KI tatsächlich einen Mehrwert schafft? Und wo stößt Automatisierung an ihre Grenzen?

Das Fazit der Folge unterschreibe ich sofort: Nicht jedes Problem braucht KI. Und nicht jede menschliche Begegnung sollte ein Bot ersetzen. Der Hype öffnet Türen, doch am Ende müssen die Lösungen überzeugen. Das passt zur Meldung über Duet: Ich überlasse einem Agenten nur dann eine Aufgabe, wenn klar ist, wo er anhalten muss. 👉 https://lnkd.in/eCzPvVFh

🚀 KI-Start-ups für Handwerk und Mittelstand

EPINOIA: eine Software, die gute Fragen stellt

EPINOIA aus Düsseldorf setzt dort an, wo Piskorics Wiki aufhört: bei Wissen, das in keinem Dokument steht. Gegründet haben das Start-up Dr. Gudrun Töpfer (Wirtschaftspsychologin und Organisationsentwicklerin) und Friedrich-Wilhelm Reese (Maschinenbauingenieur). Beide haben im technischen Mittelstand immer wieder dasselbe erlebt: Eine erfahrene Ingenieurin oder ein langjähriger Produktionsleiter verlässt das Unternehmen. Mit ihnen verschwinden Jahrzehnte an Erfahrung.

Auf ihrer Website nennen sie Beispiele für dieses verlorene Wissen: „wer noch mal der Typ ist, den man dann immer anruft; wo man dagegenklopfen muss; warum man sich gegen diesen einen Lieferanten entschieden hat, obwohl der so günstig war“. Ihr Befund: Das Wissen geht verloren, weil niemand die richtigen Fragen stellt und die Antworten festhält.

Deshalb haben sie eine Software entwickelt, die genau das übernimmt. EPINOIA führt mit den Wissensträgern ein Interview. Die Fragen passen sich an die Antworten an. Dafür braucht es kein Treffen. Die Mitarbeitenden antworten am Rechner oder am Handy, wann es ihnen passt. Aus den Antworten entsteht ein Wissenssystem, das andere später einfach befragen können – auch per Sprache. Laut Anbieter antwortet das System nur auf Grundlage des erfassten Wissens. Fehlt eine Information, weist es ausdrücklich darauf hin.

Die Daten liegen auf deutschen Servern, die KI verarbeitet sie innerhalb der EU. Die Bescheinigungsstelle Forschungszulage hat dem Team echte Forschungs- und Entwicklungsarbeit bestätigt. Mein Lieblingswort auf der Website: Die beiden wollten bewusst keine weitere „Dokumentenvernudelungsanlage“ bauen. 👉 https://www.epinoia.ai

MeisterQ: „Mach mir ein Angebot wie bei Schmitz.“

MeisterQ von der OneQrew ist eine Handwerkersoftware mit KI für Sanitär, Heizung, Klima und Elektro. Der Slogan lautet: „Handwerk ist Menschensache. Den Rest macht MeisterQ.“

Ihr schreibt oder sprecht mit der Software wie mit einem Kollegen. Zum Beispiel: „Bitte schicke die Rechnung raus“ oder „Wie viele offene Aufträge haben wir diesen Monat noch?“ MeisterQ erstellt Angebote, Zuordnungen und Zahlungserinnerungen als Entwurf. Ihr prüft sie und gebt sie frei. „Human in the loop“. Die wichtigsten Anforderungen erfüllt die Software: Sie ist GoBD-konform, erstellt E-Rechnungen im ZUGFeRD-Format und nutzt Server in Deutschland. Der Großhandel lässt sich über IDS und OMD anbinden. Hinzu kommen DATEV-Export und GAEB-Import.

Außerdem bietet MeisterQ Wartungserinnerungen mit Anlagenhistorie, Einsatzplanung und Bestellungen direkt aus dem Auftrag. Die Software läuft im Browser – im Büro am Rechner und auf der Baustelle am Handy. Ralf Strecker von Ralf Strecker Heizung Sanitär sagt nach dem Test: „Endlich mal was, das man ohne Handbuch bedienen kann.“

Für die ersten 500 Betriebe gilt bis zum 31. Dezember 2026 ein Gründerangebot. Wer bis dahin abschließt, behält den Gründerpreis, solange er Kunde bleibt. Vorher könnt ihr die Software 14 Tage lang testen. Eine persönliche Einweisung ist enthalten. 👉 https://meisterq.com

Was mir diese Woche aufgefallen ist

Je mehr die KI selbst erledigt, desto wichtiger wird das Wissen der Menschen, die ihre Ergebnisse prüfen. Wer ein KI-erstelltes Angebot freigibt, muss wissen, ob die Positionen stimmen. Wer eine Wiki-Seite bestätigt, muss wissen, ob die Serviceinformation noch aktuell ist. Genau nach diesem Wissen suchen KI-Firmen derzeit.

Kommt gut in die neue Woche.

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